Fahrbericht Mercedes-Benz CLS 63 AMG: Besser geht’s nicht

Mercedes-Benz CLS 63 AMG 2012 rot Fahrbericht: Teaser Schloss Bensberg

 

Prolog

 

Eigentlich war alles völlig anders geplant. Mit dem knallroten CLS 63 AMG sollte ein Photoshooting stattfinden. Nachts, mit viel Brimborium und ohne Aufwand zu scheuen. Doch sollte das Wetter nicht mitspielen. Natürlich war es positiv dass in Köln am Wochenende das erste Mal 30 Grad erreicht wurden. Nachts – das Shooting ging um 0:00 Uhr los – führte das allerdings dazu, dass im Zusammenspiel mit der hohen Luftfeuchtigkeit ein feiner Nebel in der Luft lag. Die für die dazugehörige Fotostory nötige extreme Tiefe der Aufnahmen war somit nicht zu realisieren. Enttäuschend. Vor allem nachdem mich Mercedes bei der Aktion so vorbildlich unterstützt hat. Ändern kann man es nicht, die Fotostory kommt wann anders und in den nächsten Tagen bekommt ihr nochmal einen kleinen Teaser zu sehen der hoffentlich Lust auf mehr macht.

Mercedes-Benz CLS 63 AMG 2012 rot Fahrbericht: Nacht Vorne Rechts parkend

 

Die Konsequenz daraus ist: Ihr bekommt die Details zum CLS per “normalem” Fahrbericht. Los geht’s.

Lasset die Zahlen sprechen

 

Jeder der mir in dieser Woche Fragen zum CLS AMG gestellt hat hat von mir dieselbe Zahlenkolonne geliefert bekommen: 525 PS, 700Nm, 4,4 Sekunden für den Spurt von Null auf Hundert, 13 Liter Verbrauch, 130.000 Euro. Mehr braucht man eigentlich auch kaum zu sagen. Interessant finde ich, dass scheinbar jedem auffällt, dass das Auto etwas besonderes ist. Auch wenn ich es eigentlich – bis auf die knallrote Lackierug – als Wolf im Schafspelz bezeichnen würde. Ich denke nicht dass Leute die wenig Ahnung von Autos haben das Fahrzeug in Vergleich zu einem CLS Diesel richtig einordnen können. Das Tuning ist dezent und beschränkt sich auf gewaltige 20″-Felgen mit 285/30er Bereifung hinten und vier Endrohre. Wer Spoilerwerk sucht ist hier falsch. Zum Glück.

Mercedes-Benz CLS 63 AMG 2012 rot Fahrbericht: Heck Details

Mercedes-Benz CLS 63 AMG 2012 rot Fahrbericht: Motorabdeckung Plakette

 Design

 

Denn der CLS ist meiner Meinung nach einer der schönsten, zeitlosesten Mercedes. Die erste Generation hat eine neue Fahrzeuggattung begründet und bei Mercedes den Wandel zu mehr Qualität eingeleutet nachdem man mit Problemen zu kämpfen hatte. Das erste viertürige Coupe. Das Auto wölbt sich über die Radhäuser, die Seitenfenster gleichen einem Schlitz, die Motorhaube ist riesig groß wie ein Zweipersonenbett, Bei 2 Metern Fahrzeugbreite entspricht es einem Kingsize wohlgemerkt, und das Heck knackig kurz mit einer hohen Abrisskante. Hat mich – besonders beim Vorgänger – an den Camaro aus den späten 60ern erinnert. Was das Heck angeht scheinen sich die Meinungen zu teilen. Manche meinten zu mir die Rückleuchten seien zu groß und würden an Fischaugen erinnern. Ich finde gerade beim AMG das Heck absolut stimmig, bei kleineren Motorisierungen jedoch stimme ich zu: Die Heckleuchten könnten einen Tick kleiner sein. Wie so oft ist das aber nörgeln auf hohem Niveau.

Mercedes-Benz CLS 63 AMG 2012 rot Fahrbericht: Frontansicht

Mercedes-Benz CLS 63 AMG 2012 rot Fahrbericht: Hinten Links

Mercedes-Benz CLS 63 AMG 2012 rot Fahrbericht: Seitenansicht

Der Innenraum ist längst meilenweit weg von den biederen, eher konservativen, Armaturen die man einst von der Marke mit dem Stern gewohnt war. Der CLS glänzt hier heutzutage durch edle Materialien und ganz in schwarz. Lederbezogenes Armaturenbrett, hochglanz-schwarze Zierleisten. Sportlich, zeitlos, elegant. Zu der analogen Uhr von IWC zwischen den Lüftungsdüsen hat jeder, ausnahmlos jeder, der mitgefahren ist einen Kommentar abgegeben. Die Geschmäcker scheiden sich an diesem Detail. Für was sich Designer manchmal rechtfertigen müssen…

Mercedes-Benz CLS 63 AMG 2012 rot Fahrbericht: Innenraum Fahrerplatz Cockpit

Anlassen, bitte!

 

Ich weiss, ich spanne euch auf die Folter. Alles was ich bisher geschrieben habe interessiert euch nicht im geringsten. Ihr seid nur immernoch hier, weil ihr den V8-Motor er-”lesen” wollt. Nun gut:

Auto mit der Zentralverriegelung entsperren. Wie ein Kampfjet zischt der CLS kurz und entlässt einen Luftstoß aus dem Fahrwerk. Nach dem Einsteigen das erste was man machen sollte: Das Fahrerfenster einen Spalt runterlassen. Erst danach bitte den Zündschlüssel drehen. Der CLS blubbert sich wach, brabbelt Kauderwelsch welches sich als kraftvolles, unanständiges Grummeln aus tiefster Kehler beschreiben lässt. Erotik für die Sinne. Er klingt so wie ich als Kind immer klingen wollte wenn ich mit dem Mund Motorgeräusche gemacht habe. Diesen ersten Moment sollte man immer genießen. Hab ich auch gemacht. Denn nach ca. 15 Sekunden wird der Motor plötzlich leise. Ganz leise. Und ist nicht mehr hörbar. Schade, schade. Auch an der Ampel gibt es, ob mit oder ohne Start-Stopp-Automatik, kaum etwas zu hören.

Mercedes-Benz CLS 63 AMG 2012 rot Fahrbericht: Heck von Unten

 

Let’s cruise

 

Parkplatz verlassen (die Übersicht ist sehr gut, die Außenspiegel riesig und das PDC verlässlich) und auf die Straße. Schön langsam auf die erste Ampel zurollen. So.

3…

2…

1…

Gaspedal durchtreten, oder ein klein wenig mit den Zehen streicheln und der CLS schiebt an. So ordentlich dass man im Sitz versinkt, denkt aus dem Stand abheben zu können. Der V8 Motor wird lauter und lauter, die Räder quietschen und los geht’s. Zweiter Gang, wieder leicht von Reibungsverlust gequälte Reifen, ein kleiner Versatz des Hecks zur Seite und sofort weiter. Von jeder Unebenheit scheint der CLS mit Anlauf abzuspringen um gefühlte 100 Meter weiter wieder aufzukommen. Wie ein Puma. Tief am Boden. Nichts bringt ihn aus der Ruhe.

Das kann man den ganzen lieben langen Tag machen. Immer und immer wieder. Langweilig wird es nie, das verspreche ich euch an dieser Stelle hoch und heilig. Geht man irgendwann wieder vom Gas, wird der Motor wieder unhörbar, der Komfort steigt auf Oberklassen-Niveau und man fährt entspannt weiter. Ob man bei 130km/h oder bei 250km/h vom Gas geht macht was dieses Erlebnis angeht absolut keinen Unterschied. Beide Geschwindigkeiten fühlen sich gleich an, es ist nicht lauter oder hektischer im Auto. Jederzeit totale Kontrolle über die Technik. Dieses Auto macht einfach alles was man von ihm will, ohne Gegenfragen.

Mercedes-Benz CLS 63 AMG 2012 rot Fahrbericht: Nahaufnahmen

 

Es passt überall und immer

 

Im Zusammenspiel mit so viel Leistung ist das Wohlbefinden des Fahrers natürlich entscheidend. Umso mehr freut es mich dass selbst ich mit meiner, sagen wir, zierlichen Figur die breiten, massigen Sitze ideal einstellen konnte. Neben den normalen Verstellmöglichkeiten in alle Richtungen und Winkeln können über Drehregler an der Seitenwange des Sitzes einige Luftpolster verstellt werden. Neben der klassischen Variante für das Kreuz auch z.B. Die Seitenteile der Rückenlehne. Dadurch ist man mit dem Körper förmlich im Sitz gefangen und bleibt selbst in der engsten Kurve bombenfest am Platz. Bei hohen Querbeschleunigungen ist das ein nicht zu unterschätzender Faktor wenn es darum geht das Gefühl zu vermitteln, der Fahrer habe die Kontrolle über das Fahrzeug. Natürlich spielt hier die direkte Lenkung auch rein.

 

Also fassen wir soweit mal zusammen: Verflucht viel Leistung, Sehr hoher Grip, kaum Nick- und Neigungsbewegungen, brachialer Sound, das Gefühl absoluter Kontrolle über die Elemente. Was fehlt noch?

Mercedes-Benz CLS 63 AMG 2012 rot Fahrbericht: Scheinwerfer Xenon Linse LED Nahaufnahme

Bitte nicht…

 

Ihr wollt doch jetzt nicht wirklich etwas zum Kofferraumvolumen hören, oder? Mehr als folgendes sage ich nicht: Platz ist jede Menge im Kofferraum, es gibt Haken für Taschen und sowas. Ablagen gibts auch viele im Innenraum. Hinten hat man mehr als genug Beinfreiheit, die Kopffreiheit ist völlig ausreichend für Jedermann. Die Tankklappe ist rechts und die Radioantenne auf dem Dach. Zufrieden? Zurück zum Fahrspaß, bitte!

 

Gänge sortieren: Besser automatisch

 

Außer dem Motor ist ja das Getriebe ein wichtiger Faktor für den Fahrspaß. Der CLS 63 AMG verfügt über das SPEEDSHIFT MCT 7-Gang Getriebe von AMG. Auch im SLS vorzufinden, dann allerdings als DCT. Ich hatte schonmal beim SLS geschrieben wie toll ich es finde, wenn man Leuten die schonmal Automatik gefahren sind trotzdem sagen muss, dass sie für “Parken” die Taste drücken müssen und bitte NICHT den Hebel nach vorne bewegen. Da befindet sich nämlich der Rückwärtsgang. Das Design des gesamten Mitteltunnels ist verflucht technisch und kühl. Genau mein Ding – seht euch das Foto an:

Mercedes-Benz CLS 63 AMG 2012 rot Fahrbericht: Mittelkonsole Mitteltunnel Schalthebel

Neben dem Hebel zum Auswählen der Fahrtrichtung befindet sich ein Drehregler zur Auswahl des Getriebeprogramms (Comfort, Sport, Sport+, Manual und Race – dazu gibts gleich mehr), eine Taste zur Veränderung des Fahrwerks (Comfort, Sportlich, Brachial), eine Taste zum Einschalten der Sportabstimmung der elektrischen Helferlein und eine Taste die den selbstbewussten Aufdruck “AMG” trägt und mit der sich eine bestimmte Kombination der zuvor genannten Funktionen speichern und direkt abrufen lässt.

Ich vermute auch für euch ist das meiste selbsterklärend. Zwei Dinge möchte ich anmerken: Der manuelle Modus ist immernoch nix für mich. Einfach mal bei 50km/h in den 7. Gang schalten? Nix da. Zu früh zurückschalten? Nix da. Klar, beides ist suboptimal für das Auto, doch bei einem manuellen Getriebe kann man tun und lassen was man will. So soll es auch sein. Immerhin: Von alleine hochschalten tut er auch nicht. Zieht man nicht am Paddel hinter dem Lenkrad bleibt der CLS schön im Drehzahlbegrenzer hängen, bis man ihn erlöst. Alles in allem hatte ich zu oft das Gefühl dass er einfach nicht in dem Gang ist in dem ich ihn gerade gerne hätte. Immer musste ich auf das Display sehen um zu sehen welcher Gang denn nun anliegt. Andererseits: Typisch Musclecar ist sowieso eine Automatik. Besser lässt es sich anders nicht cruisen.

Mercedes-Benz CLS 63 AMG 2012 rot Fahrbericht: Flanke Rechts Aussenspiegel

Die andere Sache die ich erwähnen möchte: Der Drehregler zur Auswahl des Getriebeprogramms verfügt auf der 6-Uhr-Stellung über den Modus “RS”. Steht für Race-Start. Die Frage in die Runde: Wie kommt man da hin? Einfach hindrehen ist nicht. Kombinationen mit den anderen Tasten? Auch nix. Hmm, gleich mal googlen. Siehe da:

Maximale Dynamik verspricht die RACE START-Funktion: Der Fahrer muss bei stehendem Fahrzeug die ESP-Sportfunktion aktivieren und mit dem linken Fuß das Bremspedal betätigen. Nach vorgewählter RACE START-Logik am Drehschalter erfolgt eine Sicherheitsabfrage im AMG Zentral-Display. Nun muss der Fahrer durch einmaliges Ziehen am Schaltpaddle „Up“ eine Bestätigung für die RACE START-Funktion vornehmen, das Gaspedal ganz durchtreten und die Bremse lösen. Die optimale Anfahrdrehzahl wird vollautomatisch eingeregelt und die Beschleunigung – auf Wunsch auch bis zur Höchstgeschwindigkeit – erfolgt mit perfekter Traktion. Der Fahrer braucht nicht manuell zu schalten, das AMG Getriebe wechselt die Gänge mithilfe kürzester Schaltzeiten.

Quelle: Mercedes-Benz Passion

Also. Das ist zu viel. Ich möchte euch mal sagen was ich zu diesen “Superstart”-Funktionen denke: Sie wurden nur eingeführt damit auch der 08/15-Sportwagenfahrer behaupten kann, dass er dieselbe Beschleunigungszeit von 0 auf 100 hinbekommt wie auf dem Datenblatt versprochen. Früher stand da sowas wie 5 Sekunden im Autoquartett, aber man musste Profi sein um eine Zeit unter 7 Sekunden zu erreichen. Perfekt schalten, perfekte Anfangsdrehzahl, perfekte Reifentemperatur usw.

Dass diese Fünf-Schritt-Aktivierungen ziemlich realitätsfremd sind ist klar. Wer will schon die Bedienungsanleitung studieren bevor er Vollgas gibt?

Solltet ihr den CLS 63 AMG fahren könnt ihr diese Funktion schlicht ignorieren. Einfach auf S+ schalten und ihr bekommt mehr als genug Beschleunigung.

Mercedes-Benz CLS 63 AMG 2012 rot Fahrbericht: Mode Model Frau

“Das ist ja wie Achterbahn fahren”

 

Was dieses Überauto bewirken kann lässt sich mit einem Beispiel einfachen belegen:

Personen die vorher zu mir meinten: “Einfach zum Spaß Auto fahren? Ist doch voll blöd! Ihr seid ja irre.” (Wörtliches Zitat) stehen plötzlich vor mir und sagen “Wow! Das macht total Spaß. Danach könnte ich ja nicht mehr zu meinem Kleinwagen wechseln.” und sehen sich euphorisch die Konfigurationsmöglichkeiten für den CLS im Internet an. Träumen darf eben doch jeder.

 

Mercedes-Benz CLS 63 AMG 2012 rot Fahrbericht: Testurteil Zusammenfassung

Auch interessant: Der Probefahrer Alex Kahl fährt mit dem CLS AMG durch Kalifornien

Model: Merry

Fahrbericht Honda CR-Z 1.5 IMA: Jakyll & Hyde

Honda CR-Z 1.5 IMA 2012 Weiss Teaser

 

Da stand er also ganz in weiß vor mir. Ihr wisst, der Ersteindruck ist der wichtigste. Besonders bei einem Auto das man nicht jeden Tag rumfahren sieht. Große schwarze Felgen mit silbernen Akzenten: Die weiß/schwarz Kombination gefällt mir. So wie der CR-Z dastand und wartete, konnte ich ihm durchaus etwas abgewinnen.

Design

 

Von vorne sieht er sehr aggressiv und sportlich aus, steht mit seiner kantigen Schnauze erwartungsvoll im Wind. Die Scheinwerfer haben einen Blaustich (ein sehr schönes Designmerkmal!), LED-Tagfahrlicht komplettiert die Optik. Insgesamt schön schlicht.

Die Seitenlinie kann ebenfalls begeistern. Denn die Proportionen stimmen. Kurze Überhänge, hinten wirklich ultrakurz, eine schön abfallende Dachführung die von einer Haifischflossen-Antenne und einem Dachspoiler (dieser hat ihm bei Alex den Spitznamen “Sharky” eingebracht) aufgepeppt wird. Das Fahrzeug kommt mir an der höchsten Stelle gerade mal bis zur Brust. Die Fensterlinie wird hinten nach oben gezogen, ähnlich der Kanzel eines Kampfjets. Vorne sitzen die Außenspiegel unterhalb der Motorhaube, dadurch setzt die ganze Fensterfläche vom Spiegel aus nicht bündig mit der Motorhaube an. Folge ist, dass die geduckte Haltung noch mehr betont wird. Wer jedoch hinter der großen Fensterfläche auch tatsächlich Durchsicht vermutet, liegt falsch. Die hinteren Fenster sind von innen nur auf einer kleinen Fläche vorhanden, der Rest ist eigentlich B- und C-Säule.

Honda CR-Z 1.5 IMA 2012 Weiss Seite Vorne Rechts

Honda CR-Z 1.5 IMA 2012 Weiss Aussen Heck angeschnitten

Honda CR-Z 1.5 IMA 2012 Weiss Aussen Heck Dachspoiler 3. Bremsleuchte

Honda CR-Z 1.5 IMA 2012 Weiss Aussen Heck Diffusor

Das Heck ist die Ansicht, bei der man am ehesten schmunzelt. Der angedeutet Diffusor sieht toll aus, doch erinnert das Heck zu sehr an “klassische” Hybrid-Steilheck-Fahrzeuge. Es ist zu hoch, zu kastenförmig. Von hinten vermutet keiner ein sportliches Fahrzeug im CR-Z. Das Testfahrzeug könnte durchaus noch Distanzscheiben auf der Hinterachse vertragen damit die Reifen bündig mit den Radhäusern abschließen. Der schwarze Bereich zwischen den Heckleuchten ist Fensterfläche. Trotz dieses Fensters und des riesen Fensters in der Heckklappe sieht man nach hinten nur einen kleinen Bereich: Der Balken zwischen den beiden Fenstern, genau an der Knickkante, liegt beim Blick in den Rückspiegel immer über den Scheinwerfern des nachfolgenden Verkehrs.

Honda CR-Z 1.5 IMA 2012 Weiss Innen Sitz Schulterblick hinteres Fenster

 

Einsteigen, wohlfühlen.

 

Platz nehmen geht leicht, die Sitze sind sehr gut konturiert und lassen sich ganz klassisch manuell genau so einstellen wie man es möchte. Auch das Lenkrad lässt sich in Tiefe und Höhe einstellen. Alsbald starrt man dann auf das Science-Fiction Dashboard. Volldigital und vollbunt. Mir hatte dieser Designweg von Honda schon beim Civic gefallen und er gefällt mir immernoch. Ich mag eben alles was anders ist. Auch wenn auf den zweiten Blick viele Platzierung nicht so direkt sinnvoll/nachvollziehbar scheinen: Wo man den Lichtschalter vermutet ist die Verstellung der Aussenspiegel, Der Schalter für die PDC (hinten) befindet sich dort wo sonst die Nebelschlussleuchte bedient wird und die Schalter für die Sitzheizung liegen – statt dort zu sein wo alle anderen Schalter sind, nämlich auf der Mittelkonsole – als einzige oberhalb des Schaltknaufs am Mitteltunnel.

Gut, die Positionierung wirft eben ein paar Fragen auf, ist aber nur Gewöhnungssache. Hat man sich einmal gewöhnt, so ist die Bedienung der Funktionen jedoch genau so, wie man es sich wünscht. Ohne Umwege und Seltsamkeiten. Keine Beschriftungen, die Rätsel aufgeben, alles selbsterklärend. Vorbildlich! Funktionen wie der Tempomat und die Freisprecheinrichtung lassen sich auch über das Multifunktionslenkrad steuern.

Zündschlüssel drehen – Startknopf drücken.

 

Der 1.5 Liter 4-Zylinder-Motor mit 114PS erwacht mit einem heiseren, wenig betörenden “RRRrrmm” aus dem Schlaf. Überhaupt klingt der Motor zu keiner Zeit begeisternd. Er hält sich bei normaler Fahrt stark im Hintergrund, sollte man die Gänge mal ausdrehen erhält man nur ein Nähmaschinensurren. Nach Power klingt es nicht. Die fehlt auch in oberen Drehzahlbereichen gänzlich. Versteht mich nicht falsch: Durch die zusätzliche Elektromotorunterstützung (14PS) schiebt der CR-Z gut an. Doch passiert das im unteren Drehzahlbereich. Die Konsequenz daraus ist, dass man im Grunde fast die gesamte Fahrt im 6. Gang absolvieren kann und mit diesem auch mal eben noch beschleunigen kann ohne zurückzuschalten.

Im “Normal”-Fahrmodus empfiehlt eine kleine Anzeige auch passenderweise in etwa folgende Schaltzeitpunkte durch eingeblendete Pfeile nach oben oder unten: 20km/h – 2. Gang, 30km/h – 3. Gang, 40km/h – 4.Gang, 50km/h – 5. Gang, 60km/h – 6. Gang. Das ist spritsparend und anders als bei jedem anderen Auto kann man eben trotz 5. Gang bei 50km/h mal noch zwischenbeschleunigen. Doch viel darf man nicht erwarten. Dem CR-Z würden eindeutig ein paar PS mehr gut zu Gesichte stehen.

3 Fahrmodi für drei Erlebnisse.

 

Eco – Normal – Sport. So nennen sich die per Schalter links des Lenkrads wählbaren Fahrmodi. Bei Eco ist alles – wie der Name vermuten lässt – auf Spritsparen ausgelegt. Gasbefehle werden zögerlich umgesetzt, die Beschleunigung ist unmerklich, alles am Auto provoziert hier den Fahrer eine vorausschauende Fahrweise an den Tag zu legen. Dazu passt die grüne Färbung des Ringes um den digitalen Tachometer.

Honda CR-Z 1.5 IMA 2012 Weiss Innen Startknopf Farben Tachometer Eco, Normal, Sport

Bei Normal fährt sich der CR-Z im Stadtverkehr und auch abseits der Stadt so wie ein durchschnittliches Auto mit einer solchen Motorisierung eben fährt. Er tut was er tun soll. Das Display ist grün gefärbt, ändert sich jedoch über türkis zu blau wenn man mal etwas zu sehr Gas gibt.

Im “Sport”-Modus wandelt sich der CR-Z jedoch von Dr. Jakyll zu Mr. Hyde. Ähnlich den Charakteren aus der Novelle von Robert Louis Stevenson verwandelt sich der CR-Z vom Arzt, dem das Gemeinwohl, die Umwelt, am Herzen liegt zum aufbrausenden, launischen Mörder Hyde. Das Display färbt sich teuflisch tief Rot, alle Assistenzanzeigen (kleine Pflanzen die einen für umweltschonendes Fahren belohnen, Schaltvorschläge etc.) verschwinden, alles macht Platz für den großen Drehzahlmesser und den Tachometer. Der CR-Z macht schon beim Berühren der Taste einen leichten Satz nach vorne, fletscht die Zähne. Die Lenkung wird deutlich straffer und direkter. Sie lässt einen teilhaben am Fahrbahnbelag. Der CR-Z wird endlich zu dem versprochenen sportlichen Coupé. Gemeinsam mit der phänomenalen Schaltung, den Sitzen und dem tollen Lenkrad wird er zu einer Fahrmaschine mit der beachtliche Kurvengeschwindigkeiten möglich sind. Endlich versteht man warum er das straffe Fahrwerk hat, das so gar nicht zu den anderen beiden Modi passt. Es ist zu trocken. Doch jetzt, im “Hyde-Modus”, weiß man, dass genau dieses Fahrwerk dafür verantwortlich ist, dass man trotz Schlaglöchern und Unebenheiten in der Kurve diese mit hoher Geschwindigkeit fahren kann. Der CR-Z klebt souverän auf dem Kurvenasphalt wie sonst höchstens in einer Steilkurve. Das ist das Auto das ich sehen wollte.

Die Kurve ist allerdings auch der Ort, an dem man mit dem CR-Z bleiben sollte. Sprich: Landstraße und spritzige Stadtfahrten. Da macht er Spaß. Auf der Autobahn ärgert es einen schnell wenn dem CR-Z viel zu früh die Puste ausgeht.

Ein paar Worte zur manuellen 6-Gang-Schaltung

 

Genau genommen drei Worte: Ich – bin – sprachlos.
Wenn ich mehr dazu sagen muss: Das, was Honda hier dem gewillten zukünftigen Honda-Fahrer in die rechte Hand legt, ist in meinen Augen das Schaltungsideal. Es erinnert mich an die sportlichsten Schaltkulissen der 80er/90er. Kurz, knackig, tolle Haptik. Aufgeschlüsselt in einzelne Eindrücke liest sich das so: Auf einer dünnen, kühlen Metallstange sitzt ein kugelförmiger Schaltknauf und schmeichelt mit einer Kopfplatte aus eiskaltem Metall der Hand. Der sehr kurze Weg von Gang zu Gang findet sich ganz von allein. Jedes Schalten wird von einem schön mechanischen “Plonnng” begleitet. Die Kupplung spielt perfekt mit der Schaltung zusammen. Fuss drauf und wieder runter ist eine einzige schnelle Bewegung, zeitgleich fliegt der nächste Gang rein. Dabei macht der CR-Z keine Lastwechselreaktion, nichts lässt Mitfahrer überhaupt erahnen dass gerade ein Gang gewechselt wurde. Ich habe es zu einem Hobby gemacht bei CR-Z selbst in der Stadt alle Gänge nacheinander einzulegen bis hin zum letzten und freue mich über jede rote Ampel.

Honda CR-Z 1.5 IMA 2012 Weiss Innen Manuelle 6-Gang Schaltung Schaltknauf

Honda CR-Z 1.5 IMA Weiss Innenraum Armaturenbrett, Cockpit, Dashboard, Digital

Das Pflichtprogramm

 

Am Rande gibt es natürlich noch ein paar kleine Details zu erwähnen. Da wären die hinteren Sitze: Sie sind nicht mehr als ein Ablageort, als vollwertige Sitze taugen sie nicht. Weder für Erwachsene, Kinder oder Kleinkinder. Mein Kindersitz lässt sich zwar durch die große Türöffnung leicht ins Auto schaffen, hinten findet er aber nicht genug Platz. Der extra bezahlte Seitenaufprallschutz am Kindersitz muss abgenommen werden und die Rückenlehne berührt selbst in der niedrigsten Einstellung das Dach. Der Beifahrersitz lässt sich dann auch nicht mehr weit genug nach hinten fahren um vorne überhaupt sitzen zu können. Somit bleibt nur der Beifahrersitz für einen Kindersitz – trotz Isofix und Toptether hinten. Zumindest lässt sich der Beifahrerairbag mit dem Autoschlüssel deaktivieren. Das alles macht in der Summe den CR-Z eher zum reinen Zweisitzer als zum 2+2-Sitzer.

Honda CR-Z 1.5 IMA 2012 Weiss Aussen Front Nah Scheinwerfer

Die Start-Stop-Automatik hilft ebenfalls, neben dem Elektromotor, Sprit zu sparen. Der Motor geht aus sobald man die Kupplung und die Bremse tritt  – übrigens auch wenn man mit unter 30km/h rollt – und geht wieder an wenn man den Fuß von der Bremse nimmt oder einen Gang einlegt.

Der Kofferraum ist deutlich größer als man annehmen würde. Allerdings in der Tiefe. In der Höhe ist er aufgrund der abfallenden Dachlinie sehr beschränkt. Während Richtung Wageninneres ein Sixpack Wasser aufrecht stehen kann wird es direkt an der Ladekante schon knapp.

Honda CR-Z 1.5 IMA 2012 Weiss Aussen Heckleuchte und Seitenlinie

Einparken will trotz PDC hinten geübt sein. Erstens gibt es vorne keines und man sieht außer Scheibe nach vorne gar nichts von der Karosserie. Zweitens ist aufgrund der breiten C-Säule der Blick nach hinten rechts und links versperrt. Außerdem erinnern wir uns, dass die hinteren Fenster nur kleinste dreieckige Fenster sind und man vom Fahrerplatz aus  hier gar nicht raussehen kann. Der Einlenkpunkt beim rückwärts-seitwärts Einparken muss nach Gefühl gewählt werden. Auch beim Schulterblick sieht man wenig. Doch entschädigen sehr große Außenspiegel dafür.

Wer will ihn?

 

Mich hat der CR-Z mehr als überrascht. Alleine die Schaltung wäre für mich schon ein Grund dieses Auto einem anderen vorzuziehen. Dazu der Verbrauch von 6,5 Litern auf 100km, das bei extremster Fahrweise wohlgemerkt. Die Soundanlage (USB-Anschluss und Aux-Anschluss vorhanden) spielt aufgrund eines Subwoofers im Kofferraum ordentlich auf, wie von japanischen Autos gewohnt. Doch eher Prodigy-geeignet als Jazz-Affin.

Honda CR-Z 1.5 IMA 2012 Weiss Aussen Vorne Xenonscheinwerfer Blaufärbung Detail

Das bei meiner Sicht auf die Welt unschlagbare Argument ist jedoch Folgendes: Wann sieht man einen CR-Z mal rumfahren? Er ist fast schon ein Exot. Hat man ihn und stellt ihn auf einem großen Parkplatz ab kann man sich sicher sein, dass man keinen zweiten CR-Z auf diesem Parkplatz finden wird. Und das macht ihn zu einem leicht unvernünftigen, sympathischen Charakterfahrzeug. Ich würde ihn sehr gerne länger behalten. Vielleicht aber für das letzte Quäntchen Power in einer Type-R Version? Liebe Honda-Ingenieure? Spendiert ihm bitte 40 Mehr-PS und der CR-Z würde sich vom sportlichen Coupé zum Sportcoupé wandeln.

In den nächsten Tagen gibt es wie gewohnt noch eine detaillierte Bildergalerie zum Honda CR-Z.

Die Galerie ist nun online und findet sich hier: Honda CR-Z Bildergalerie

Und wer eine andere Meinung will, der wird demnächst bei rad-ab fündig. Auch dort wird der CR-Z bald unter die Lupe genommen.

Honda CR-Z 1.5 IMA Sport 2012 Testurteil Grafik Bewertung

 

Review Mercedes C 350 Coupé Edition 1: Auf einen Blick

Mercedes C 350 Coupé - Review: Auf einen Blick - Teaser

 

Nachdem ich Anfang der Woche den Artikel “Flucht nach Vorne” veröffentlicht habe und ihr somit schonmal einen Eindruck haben solltet was das Feeling des Coupés betrifft, kommt jetzt noch eine kurze Liste mit Punkten die negativ oder positiv aufgefallen sind. Natürlich vollkommen subjektiv. Was ich als Nachteil bezeichne kann für jemanden anderen durchaus auch mal ein Vorteil sein.

Zusätzlich gibt es zwei Galerien mit Fotos des C 350 Coupés die bei Tageslicht aufgenommen wurden, gespickt mit Kommentaren und Anmerkungen. Schließlich sind schöne Bilder super, aber nichts geht über Detailaufnahmen auf denen man auch erkennt was im/am Auto steckt! Einfach auf das entsprechende Foto klicken um zur Galerie zu gelangen.

  • Hochwertiger Innenraum
  • Sehr gute Verarbeitung
  • Perfekt ausgeformtes Lenkrad
  • Durchzugsstarker Motor
  • Sehr gute Rückmeldung von der Straße
  • Sehr bequeme, gut konturierte und langstreckentaugliche Sitze
  • Gute Beinfreiheit auf den hinteren Plätzen
  • Leicht verständliche und intuitiv zu bedienende Komfortausstattungen (Distronic, MMI [Bei Mercedes: COMAND])
  • Sinnvolle Sicherheitsfeatures: Toter Winkel Assistent, Spurassistent, Schildererkennung
  • Spracherkennung funktioniert zuverlässig
  • Für ein Coupé gute Rundumsicht

  • Fahrwerk auch in Komfort-Einstellung auf den hinteren Plätzen eher unkomfortabel
  • Klang der Harman/Kardon-Anlage enttäuschend
  • Haptik der Schaltwippen am Lenkrad schlecht
  • Grafische Darstellung des Navis vorsintflutlich (Waldgebiet, Wasser, Stau)
  • USB-Anschluss und Apple-Stecker sehr schlecht zu erreichen
  • Dünnes leicht durchzudrückendes Plastik an der Rückseite der Vordersitze
  • Sehr zerbrechlich wirkender Hebel zum Lösen der Handbremse
  • An Steigungen zufallende Türen – auch wenn sie komplett geöffnet sind

 

Galerie Aussenaufnahmen

Galerie Innenaufnahmen

Review Mercedes C350 Coupe 2012: Testurteil

Review Mercedes C350 Coupé Edition 1: Flucht nach Vorne

Mercedes C350 Coupe 2012 Story: Flucht nach vorne - Teaser Coupe von der Seite

 

Es ist 18:30 Uhr Mittwoch abend.

 

Ich betrachte das mattschwarze Edition 1 C350 Coupé wie es in der Tiefgarage schlummert. Tief gebückt über die Leichtmetallräder im 10-Speichen Bicolordesign (225/40 R 18 vorne und 255/35 R 18 hinten). Von hinten betrachtet ist die stetig aufsteigende Linie über Motorhaube, vordere Radkästen, vorbei an den Seitenscheiben bis in die Rückleuchten das schönste Detail. Aus dieser Perspektive nähere ich mich dem Coupé am liebsten. ich betätige die Zentralverriegelung, das Auto glüht mir aus allen Poren entgegen. Voller Aufregung und Erwartung, endlich diesen Betonsarg verlassen zu dürfen.

 

Mercedes C350 Coupe 2012 Story: Flucht nach vorne - Teaser

Heute setze ich mich mit einem Ziel ans Steuer: den Weg in eine andere Dimension zu finden.

 

Und wenn nicht in eine andere Dimension, so doch zumindest in einen anderen Bewusstseinszustand. Statt Pejote wie in Castanedas “Reise nach Ixtlan” ist das Mercedes C 350 Coupé mein Hilfsmittel. Einen helfenden Meister wie “J.” in “Aleph” vom Altmeister Coelho gibt es nicht. Ich bin auf mich gestellt. Allein mit 306PS. Das Ziel ist gesteckt, ich werde nicht anhalten bevor ich es erreicht habe. Ich kann durchaus beharrlich sein. Hoffen wir mal dass der Tank dafür reicht. Durchnittlich sind 6-7 Liter angegeben, allerdings wechselt die Restkilometer-Anzeige bei mir munter zwischen 600km und 400km hin und her.

Wo soll es hingehen? Ich diktiere der Sprachsteuerung des Navis “andere Dimension”, aber erhalte nur eine verhaltene Reaktion. Auch “Raus hier!” funktioniert nicht. Als Alternativorschlag erhalte ich vom Navi “Ausleben”. Da mir “Leverkusen Stadtzentrum” zu weltlich und banal klingt, lass ich das mit dem Navi sein und beschliesse einfach erstmal loszufahren. Es muss sowieso so und nicht anders geschehen: Der Weg wird sich mir von allein erschliessen.

Mercedes C350 Coupe 2012 Story: Flucht nach vorne - Aussen Hinten Links

Mercedes C350 Coupe 2012 Story: Flucht nach vorne - Aussen Hinten Rechts Rücklicht

Das Xenon-Licht wird mir dabei den Weg leuchten und mich hoffentlich vor schlimmen Begegnungen, vor allem aber vor allem Bösen, bewahren. Da schadet es auch nicht zu wissen dass Distronic Plus dort eingreift wo der Fahrer vielleicht doch versagt. Daneben Toter-Winkel-Assistent (Warndreiecke in den Seitenspiegeln) und Parksensoren (Leuchtdioden auf dem Cockpit und am Dachhimmel über der Heckscheibe). Seien wir ehrlich: Ich weiss nicht wo die Reise hingeht und was mich dort erwartet, unbewaffnet möchte ich auf keinen Fall sein. Die 306PS, die eine Beschleunigung von 0 auf 100 in 6,0 Sekunden versprechen und die Bremsen die unnachgiebig zupacken sollten mich auf die zwei wahrscheinlichsten Fälle vorbereiten: Abbruch meiner Mission oder die Flucht nach vorne. Letzteres entspricht eher meinem Gemüt und passt besser zur mattschwarzen Aussenhaut (nennt sich “designo magno”, 2750,-€). Wie um mir das selbst nochmal zu bestätigen folgt nun der kräftige Tritt auf’s Gaspedal. Man muss ja einschätzen können was sich da tut. Eines verspreche ich: Beim C 350 Coupé tut sich einiges! Die Motorisierung ist für das Fahrzeug genau das Richtige. Weniger sollte es nicht sein wenn man die zu einem Coupé meiner Meinung nach zugehörige Sportlichkeit erleben will.

Das Coupé verschließt mit einem lauten Klacken die Türen. Wir sind jetzt allein.

 

Noch bin ich in Köln, Ampeln und diverse Ablenkungen machen es schwer hier den richtigen Weg zu finden. Dass ein Koyote über die Straße gelaufen kommt wie in Michael Mann’s grandiosem Film “Collateral” und dazu Audioslave läuft ist hier auch ziemlich unwahrscheinlich. Höchstens eines der vielen Kaninchen die Köln bevölkern. Das passt aber erstens nicht zu Audioslave und zweitens wäre es sicher kein Gänsehautmoment. Apropo: Der Soundtrack meiner Reise spielt natürlich auch eine elementare Rolle! Audioslave gehört auf jeden Fall dazu. Zum Glück hab ich vor dem Losfahren in exakt 1,5 Minuten mein Android-Phone per Bluetooth mit der Anlage des Mercedes gekoppelt (wirklich easy – ca. 6 Klicks!). Alternativ lässt sich auch ein USB-Stick unter der Mittelarmlehne anschließen – die Schnittstelle lässt sich ohne Taschenlampe aber kaum erwischen – oder eine SD-Card verwenden. Jetzt kann ich die Playlist abspielen die ich passenderweise “Follow the rabbit” genannt habe. Darauf befinden sich unter anderem Audioslave, Pink Floyd, Opeth, Katatonia, Long Distance Calling, Hurt und If these trees could talk. Ich drücke Play und lasse mich erstmal bei ordentlicher Lautstärke von dem Harman/Kardon Logic 7 Surround-Soundsystem (589,- €) berieseln. Es ist immer wieder berauschend wenn man in einem Auto mit guter Anlage sitzt, bei der der Sound perfekt auf den Fahrerplatz abgestimmt ist. In diesem Fall ist die Anlage aber eher gehobener Durchschnitt. Der Bass ist fest, setzt aber beim Tiefbassbereich schnell aus und der Gesamtsound ist mir – trotz vielen getesteten Einstellungen – zu mittenlastig. Es klirrt ab einer gewissen Lautstärke in den Ohren. Ich habe selbst eine Harman/Kardon Anlage (mit Klipsch Lautsprechern) und hätte hier deutlich besseres erwartet.

Zum einsetzenden Stakkato von “Blackwater Park” springt die Ampel auf Grün und gleichzeitig steht auch meine Entscheidung fest: Erstes Ziel ist die German Autobahn.

 

Mercedes C350 Coupe 2012 Story: Flucht nach vorne - Angeschnitten vor Stadion Flutlicht

Mercedes C350 Coupe 2012 Story: Flucht nach vorne - Vorne Rechts Scheinwerfer Xenon vor Industrie

Mercedes C350 Coupe 2012 Story: Flucht nach vorne - Scheinwerfer Detail

Distronic Plus ist aktiviert, der Mercedes hält damit einerseits das vorgegebene Tempo (Alternativ: verhindert das Überschreiten eines festgelegten Höchsttempos) und beachtet andererseits von alleine einen Mindestabstand zum Vordermann. Dieser lässt sich über einen Regler verringern oder erhöhen. Im Stau führt das System dazu dass man selbst weder gasgeben noch bremsen muss – falls nötig bis zum Stillstand. Das Fahrwerk ist auf Comfort ausgelegt (Sporttaste deaktiviert). LKWs rauschen rechts an mir vorbei, links der blendende Gegenverkehr. Es geht immer geradeaus, der C350 schluckt die Unebenheiten einigermaßen und lässt mich distanziert zu mir selbst werden. Es dringen kaum Aussengeräusche zu mir durch, der Motor ist kaum zu hören. Nur das Rauschen des Fahrtwindes an der A-Säule. Da schweifen die Gedanken schnell ab. So sehe ich nur noch einen Tunnel dort wo in der Dunkelheit die Straße mit der Nacht verschmilzt und halte darauf zu. Der Verkehr wird immer weniger und bald bin ich allein. Nur noch der Lichtkegel vor mir und die Reflektoren am Straßenrand als Orientierung. Endlich kann man auch ein wenig schneller fahren. Die 7-Gang Automatic schaltet nach dem Kick-Down ein wenig zögerlich zwei Gänge zurück. Sobald der richtige Gang anliegt macht sich der Motor bemerkbar. Er tönt brabbelnd und klingt kernig. I like! Er schiebt mit Nachdruck, schnell läuft man mit einem Warnhinweis – Winterreifen – bei 210km/h in den Begrenzer. Man hat stets das Gefühl dass das Ende des Beschleunigungsrausches nicht so schnell erreicht ist. Power in jeder Lebenslage. Problem mit dem Fahrer auf der Spur neben einem? Kein Problem: Kurz gasgeben und der C350 macht einen kleinen Zeitsprung. So kann man sich stets aktiv seine Nachbarn aussuchen.

Eine Ausfahrt zieht meine Aufmerksamkeit auf sich. Sie ruft mich. Ich habe meine Mission nicht vergessen und folge dem ersten Gefühl. Runterbremsen und an der Ausfahrt rausfahren. Am Ende erwartet mich eine Ampel und zwei mögliche Richtungen. Links oder Rechts. Ich blicke in beide Richtungen sehe aber beiderseits nichts als die Andeutung einer Straße. Was soll ich tun? Die Ampel springt jeden Moment um. Ich schließe kurz die Augen, atme tief durch. Meine Hand fasst an den Blinkerhebel. Ich spüre es nur schwach, aber etwas zieht mich nach links. Die Ampel springt um, ich gebe Gas und biege ab.

Mercedes C350 Coupe 2012 Story: Flucht nach vorne - Seitenaufnahme vor Industrie

Die Landstraße vor mir ist frei, einige wenige Kurven erwarten mich. Ich betätige die Sporttaste und merke einen Moment später wie das Fahrwerk straffer wird. das Coupé ist jetzt hart gefedert und weigert sich auch nur die kleinste Unebenheit zu schlucken. Das nenn ich konsequent. Der Straßenkontakt ist perfekt. Auf der Autobahn übrigens lässt die Sporttaste den C350 zu einem Plombenschüttler mutieren. Spaß macht das nicht. Die Landstraße hingegen ist dafür optimal. Plötzlich scheint auch die Automatik trotz minus 12 Grad Celsius aus dem Winterschlaf zu erwachen, dreht die Gänge voll aus und hängt deutlich zackiger am Befehl meines Gasfusses. Natürlich besteht stehts auch die Möglichkeit mit der Taste “M” neben der Schaltkulisse komplett manuell zu schalten und frei aus den 7 Gängen zu wählen. Per Schaltwippen hinter dem Lenkrad die sich aber leider viel zu leicht drücken. Es sind eher Tasten als Wippen.

Mercedes C350 Coupe 2012 Story: Flucht nach vorne - Vorne Rechts vor Autobahnkreuz

Ich scheuche den C350 also durch die Kurven, hoffe auf eine weiterhin freie Straße, drehe die Musik etwas leiser um den Motor besser zu hören und genieße die Fahrt. Irgendwann wird die Straße zweispurig und es tauchen die ersten Ampeln auf. Ich stelle zurück auf Automatik, entspanne meinen Rücken, drücke meinen Kopf gegen die Kopfstütze, spanne meine Arme kurz durch und presse mich so in die perfekt konturierten Sportsitze und da ist der Moment. Es läuft “Comfortably Numb” von Pink Floyd, der Motor brabbelt ganz leise im Hintergrund und die Straße wird zu einem erhellten Weg an einen fremden Ort. Die wenigen Gebäude die vorbeirauschen scheinen Relikte aus einer anderen Zeit zu sein, längst vergessen und nur hier um mich an etwas zu erinnern. Das Coupé schwebt fast über die Straße, andere Autos biegen nach links und rechts ab, ich bleibe auf der Straße, in meiner Spur. Andere machen sie immer rechtzeitig frei, fast als ob sie wüssten dass ich gerade nicht an den Ort fahre an den die Straße eigentlich führt. Ich spüre die Entspannung. Die über den anstrengenden Arbeitstag verlorene Energie fließt zurück in meinen Körper. Ich fühle mich bereit. Ich könnte ewig weiterfahren und verliere meine Gefühl für die Zeit. Die Nacht ist jung. ¬

Demnächst gibt es noch Fahrzeugeindrücke bei Tag mit Vorstellung einiger Fahrzeugfunktionen. Stay tuned.

Mercedes C350 Coupe 2012 Story: Flucht nach vorne - Ziel erreicht Eindrücke

Review Mercedes C350 Coupe 2012: Testurteil

Renault Laguna 2011 – kleiner Review

Renault Laguna 2011 Review

1300km Autobahn mit einem Mietwagen. Das ist viel und man sollte vermutlich darauf wert legen, dass es nicht die kleinste Klasse ist, die man mietet. Trotzdem habe ich mein Glück herausgefordert – wie so oft – und einen Wagen der kleinsten Klasse gebucht. Übrigens für knapp 90€ inklusive Vollversicherung ohne SB. Ich habe einfach darauf vertraut dass ich – wie so oft – sowieso “upgegradet” werde. Ich hab recht behalten und von der freundlichen Mitarbeiterin von Avis am Kölner Hauptbahnhof einen schwarzen Renault Laguna mit Klimaanlage und Navigation bekommen. Sie hat sich noch dafür entschuldigt dass er wegen dem Regen und dem Schotterplatz leider etwas dreckig sei. “Macht nix, ich fahre sowieso nur Autobahn.” und weg war ich.

Zuerst ein kurzes Statement zu den Fotos: Leider hatte ich weder die Zeit noch die Möglichkeit hochwertige Fotos vom Laguna zu machen. Deswegen hier nur die Schnappschüsse. Ich bitte um Nachsicht. :)

Der Laguna stand nun unauffällig wie sonst ein Auto auf dem Parkplatz des Bahnhofs. Renault hat ja keinen Schlüssel, sondern eine “Chipkarte” mit diesen Foliendrucktasten wie man sie auf superdünnen TV-Fernbedienungen findet. Nunja. Über Geschmack lässt sich streiten. Das gilt auch für das Äußere. An der Front will ein wenig Sportlichkeit aufkommen, doch an den Flanken und am Heck verliert sich dieser Gedanke schnell wieder. Die Überhänge sind zu lang und die Linienführung etwas langweilig. Was soll’s! Ich sitze ja sowieso innen. Und hier wirkt der Franzose schon deutlich reifer. Schwarze Teilleder-Sitze mit weißen Kontrastnähten (wie sie übrigens unser zukünftiger Mustang haben soll), eine hübsche Mittelkonsole, hübsche Instrumente und Türverkleidungen. Naja alles so dass man sich lange Zeit wohlfühlen kann. Das Lenkrad ist sogar unten etwas abgeflacht. Hier stand der Motorsport Pate. Die Abflachung ist jedoch so gering dass man sie erst bemerkt wenn man beim Kurbeln fast danebengreift, nicht jedoch wenn man das Lenkrad so direkt ansieht.

Dinge die mir positiv aufgefallen sind:

  • Das Display in der Mitte ist gut abzulesen
  • Die Tasten geben wenig Rätsel auf
  • Das Raumgefühl ist dank einer sehr weit oben ansetzenden Windschutzscheibe sehr angenehm.
  • Hinten an allen Fenstern Jalousien (nicht automatisiert)

 

Dinge die mir negativ aufgefallen sind:

  • Tomtom… grafisch erinnert es mich mit seinen tristen Farben, pixeligen Linien und hakeligen Bewegungen an meine Computerspiele Mitte der 90er
  • “Wählhebel” für Telefon und Audio rechts unten hinter dem Lenkrad: Unglaublich viele Tasten und sogar ein Scrollwheel auf kleiner Fläche und alles nicht ablesbar da durch die Speichen des Lenkrads verdeckt. Um zu wissen welche Taste was macht muss man sich nach vorne beugen und am Lenkradkranz vorbeisehen
  • Unglaublich billig wirkende Scheibenwischer vorne – wenn die sich bewegen denkt man sie sind aus dünnem Draht, so schlacksig bewegen sie sich
  • Drehregler über Drehregler an der Mittelkonsole. Ein großer zwischen den Sitzen, ein kleiner beim Radio und ein ebenso kleiner bei der Klimaanlage. Teilweise machen sie dasselbe
  • Aus welchem Jahrhundert ist denn der Bordcomputer? Das Icon das einem eine Schaltkulisse anzeigen soll ist grausamer Missbrauch von Pixeln! Man muss es sehen um zu verstehen was ich meine.
  • Und warum werden die Zahlen auf dem Drehzahlmesser von Zahl zu Zahl größer? Kursive Schriftart und die 6 ist fast doppelt so groß wie die eins.. Soll man gewarnt werden? Ich fand es optisch nicht sonderlich geschickt

Soviel zum Innenraum. Chipkarte in den Schlitz und Start/Stopp-Taste drücken. Zuerst fällt einem auf das einem nichts auffällt – ausser dass die Aussenspiegel ausfahren. Doch der Motor ist im Grunde unhörbar, solange man das Gaspedal nicht betätigt. In der Stadt ist das bei einem solchen Zweiliter-Benziner natürlich von Vorteil. Besonders da auch die Geräuschisolierung im Renault hervorragend ist. Tritt man das Gaspedal hört man genau das, was man von einem – sagen wir mal – Standardzweiliter in einem Standardauto erwartet: Es zeigt sich dass ein Verbrennungsmotor das Fahrzeug antreibt (ergo: Kraft-Fahrzeug), aber der Motor will nicht dass irgendwer irgendwas über ihn erfährt. Er möchte einfach nur stur seinen Job machen. So soll es dann eben sein: Bei einem solchen Auto geht das auch in Ordnung. Am Gaspedal hängt der Zweiliter ganz gut, jedoch hat mich noch vor Beginn der Fahrt stutzig gemacht, dass im Display beim Durchschnittsverbrauch knapp 11 Liter hinterlegt waren. Hmmm. Direkt mal genullt um zu sehen wo ich so lande. Bei dem Verbrauch würde ich nämlich schon erwarten dass ich etwas anderes als ein Standardauto habe: Etwas mit bumms, mit hörbarem Motor der fauchend Fussgänger vom Zebrastreifen verjagt und am liebsten kreuz und quer unter LKW-Anhängern durchfährt wie damals Bandit. Der spritsparende Charakter ist nämlich das einzige Argument das sonst für ein Standard-08/15-Triebwerk spricht.

Renault Laguna 2011 Review Ansicht vorne links

Zuhause wurde erstmal der Kofferraum befüllt. Da ist richtig Platz! Mir fällt auf Anhieb nichts ein was da nicht reinpassen würde. Sollte also in allen Lebenssituationen ausreichen. Teilweise konnten wir die Hutablage bei geöffnetem Kofferraum auch als Tisch verwenden.

Kurz darauf ging es auch schon auf die Autobahn. Immerhin war es 21:00 Uhr und wir hatten noch ca. 680km zu fahren. Auf den Strassen war wenig los und ich konnte meist den Tempomat verwenden. Die Bedienung ist so einfach wie bei jedem anderen Auto auch. Fahren, beim gewünschten Tempo Taste betätigen und fertig. Über einen Wippschalter auf der Mittelkonsole wählt man zwischen Tempomat und Tempolimiter. Alles andere erfolgt über die Tasten am Lenkrad. Das bereits angesprochene hässliche kleine Icon das eine Schaltkulisse darstellen soll zeigt einem mit zwei kleinen Pfeilen ob man runter oder rauf schalten soll. Eigentlich ist da immer nur ein Pfeil der so lange dableibt bis man den 6. Gang erreicht hat. Es spielt auch keine Rolle ob man knapp über 50 fährt. Zum Runterschalten fordert das Icon erst auf wenn die Drehzahl extrem niedrig fällt. Auch daran habe ich mich gehalten. Bei Ankunft zeigte mir die Verbrauchsanzeige einen Durchschnittsverbrauch von stolzen 9,8 Litern Super. Das nach 650km Autobahn, freie Fahrt und Tempomat bei 140km/h. Wow. Das ist…. ziemlich hoch. Im Internet auf der Seite von Renault ist zu lesen, dass der Verbrauch außerorts bei 6,1/8,6 Litern und kombiniert bei 7,5/10,7 Litern liegt…

Auf der Rückfahrt – hier hatten wir es mit viel Stau zu tun und sind bei Würzburg sogar Landstraße gefahren – ist der Verbrauch dann sogar auf 10,4 Liter angestiegen. Alles in allem war das Auto eigentlich ganz angenehm. Mich selbst hat das polterige Fahrwerk von allem am meisten gestört. Es kommt gar nicht der Gedanke auf dass man in einem soliden Auto sitzt. Das kann selbst ein Golf schon um mehrere Klassen besser! Es rappelt bei jeder Bodenwelle etwas im Fahrwerk. Ich mag vielleicht insgesamt ein wenig übertreiben, doch habe ich jederzeit gemerkt dass das Fahrwerk nicht recht weiss was es will. Eine unpräzise Lenkung ohne viel Rückmeldung wäre da natürlich im Zusammenspiel das schlimmste. Doch… well… leider ist die Lenkung auch nicht hundertprozentig überzeugend. Würde ich nun das Geld ausgeben um einen Laguna zu kaufen? ….Das Coupé schafft es im Gegensatz zur Limousine ja sogar die Sportlichkeit über das ganze Fahrzeugdesign zu erhalten… Aber nein. Ich wüsste andere Möglichkeiten das Geld auszugeben.

Was haltet ihr vom Laguna 2.0?