Renault Laguna 2011 – kleiner Review

Renault Laguna 2011 Review

1300km Autobahn mit einem Mietwagen. Das ist viel und man sollte vermutlich darauf wert legen, dass es nicht die kleinste Klasse ist, die man mietet. Trotzdem habe ich mein Glück herausgefordert – wie so oft – und einen Wagen der kleinsten Klasse gebucht. Übrigens für knapp 90€ inklusive Vollversicherung ohne SB. Ich habe einfach darauf vertraut dass ich – wie so oft – sowieso “upgegradet” werde. Ich hab recht behalten und von der freundlichen Mitarbeiterin von Avis am Kölner Hauptbahnhof einen schwarzen Renault Laguna mit Klimaanlage und Navigation bekommen. Sie hat sich noch dafür entschuldigt dass er wegen dem Regen und dem Schotterplatz leider etwas dreckig sei. “Macht nix, ich fahre sowieso nur Autobahn.” und weg war ich.

Zuerst ein kurzes Statement zu den Fotos: Leider hatte ich weder die Zeit noch die Möglichkeit hochwertige Fotos vom Laguna zu machen. Deswegen hier nur die Schnappschüsse. Ich bitte um Nachsicht. :)

Der Laguna stand nun unauffällig wie sonst ein Auto auf dem Parkplatz des Bahnhofs. Renault hat ja keinen Schlüssel, sondern eine “Chipkarte” mit diesen Foliendrucktasten wie man sie auf superdünnen TV-Fernbedienungen findet. Nunja. Über Geschmack lässt sich streiten. Das gilt auch für das Äußere. An der Front will ein wenig Sportlichkeit aufkommen, doch an den Flanken und am Heck verliert sich dieser Gedanke schnell wieder. Die Überhänge sind zu lang und die Linienführung etwas langweilig. Was soll’s! Ich sitze ja sowieso innen. Und hier wirkt der Franzose schon deutlich reifer. Schwarze Teilleder-Sitze mit weißen Kontrastnähten (wie sie übrigens unser zukünftiger Mustang haben soll), eine hübsche Mittelkonsole, hübsche Instrumente und Türverkleidungen. Naja alles so dass man sich lange Zeit wohlfühlen kann. Das Lenkrad ist sogar unten etwas abgeflacht. Hier stand der Motorsport Pate. Die Abflachung ist jedoch so gering dass man sie erst bemerkt wenn man beim Kurbeln fast danebengreift, nicht jedoch wenn man das Lenkrad so direkt ansieht.

Dinge die mir positiv aufgefallen sind:

  • Das Display in der Mitte ist gut abzulesen
  • Die Tasten geben wenig Rätsel auf
  • Das Raumgefühl ist dank einer sehr weit oben ansetzenden Windschutzscheibe sehr angenehm.
  • Hinten an allen Fenstern Jalousien (nicht automatisiert)

 

Dinge die mir negativ aufgefallen sind:

  • Tomtom… grafisch erinnert es mich mit seinen tristen Farben, pixeligen Linien und hakeligen Bewegungen an meine Computerspiele Mitte der 90er
  • “Wählhebel” für Telefon und Audio rechts unten hinter dem Lenkrad: Unglaublich viele Tasten und sogar ein Scrollwheel auf kleiner Fläche und alles nicht ablesbar da durch die Speichen des Lenkrads verdeckt. Um zu wissen welche Taste was macht muss man sich nach vorne beugen und am Lenkradkranz vorbeisehen
  • Unglaublich billig wirkende Scheibenwischer vorne – wenn die sich bewegen denkt man sie sind aus dünnem Draht, so schlacksig bewegen sie sich
  • Drehregler über Drehregler an der Mittelkonsole. Ein großer zwischen den Sitzen, ein kleiner beim Radio und ein ebenso kleiner bei der Klimaanlage. Teilweise machen sie dasselbe
  • Aus welchem Jahrhundert ist denn der Bordcomputer? Das Icon das einem eine Schaltkulisse anzeigen soll ist grausamer Missbrauch von Pixeln! Man muss es sehen um zu verstehen was ich meine.
  • Und warum werden die Zahlen auf dem Drehzahlmesser von Zahl zu Zahl größer? Kursive Schriftart und die 6 ist fast doppelt so groß wie die eins.. Soll man gewarnt werden? Ich fand es optisch nicht sonderlich geschickt

Soviel zum Innenraum. Chipkarte in den Schlitz und Start/Stopp-Taste drücken. Zuerst fällt einem auf das einem nichts auffällt – ausser dass die Aussenspiegel ausfahren. Doch der Motor ist im Grunde unhörbar, solange man das Gaspedal nicht betätigt. In der Stadt ist das bei einem solchen Zweiliter-Benziner natürlich von Vorteil. Besonders da auch die Geräuschisolierung im Renault hervorragend ist. Tritt man das Gaspedal hört man genau das, was man von einem – sagen wir mal – Standardzweiliter in einem Standardauto erwartet: Es zeigt sich dass ein Verbrennungsmotor das Fahrzeug antreibt (ergo: Kraft-Fahrzeug), aber der Motor will nicht dass irgendwer irgendwas über ihn erfährt. Er möchte einfach nur stur seinen Job machen. So soll es dann eben sein: Bei einem solchen Auto geht das auch in Ordnung. Am Gaspedal hängt der Zweiliter ganz gut, jedoch hat mich noch vor Beginn der Fahrt stutzig gemacht, dass im Display beim Durchschnittsverbrauch knapp 11 Liter hinterlegt waren. Hmmm. Direkt mal genullt um zu sehen wo ich so lande. Bei dem Verbrauch würde ich nämlich schon erwarten dass ich etwas anderes als ein Standardauto habe: Etwas mit bumms, mit hörbarem Motor der fauchend Fussgänger vom Zebrastreifen verjagt und am liebsten kreuz und quer unter LKW-Anhängern durchfährt wie damals Bandit. Der spritsparende Charakter ist nämlich das einzige Argument das sonst für ein Standard-08/15-Triebwerk spricht.

Renault Laguna 2011 Review Ansicht vorne links

Zuhause wurde erstmal der Kofferraum befüllt. Da ist richtig Platz! Mir fällt auf Anhieb nichts ein was da nicht reinpassen würde. Sollte also in allen Lebenssituationen ausreichen. Teilweise konnten wir die Hutablage bei geöffnetem Kofferraum auch als Tisch verwenden.

Kurz darauf ging es auch schon auf die Autobahn. Immerhin war es 21:00 Uhr und wir hatten noch ca. 680km zu fahren. Auf den Strassen war wenig los und ich konnte meist den Tempomat verwenden. Die Bedienung ist so einfach wie bei jedem anderen Auto auch. Fahren, beim gewünschten Tempo Taste betätigen und fertig. Über einen Wippschalter auf der Mittelkonsole wählt man zwischen Tempomat und Tempolimiter. Alles andere erfolgt über die Tasten am Lenkrad. Das bereits angesprochene hässliche kleine Icon das eine Schaltkulisse darstellen soll zeigt einem mit zwei kleinen Pfeilen ob man runter oder rauf schalten soll. Eigentlich ist da immer nur ein Pfeil der so lange dableibt bis man den 6. Gang erreicht hat. Es spielt auch keine Rolle ob man knapp über 50 fährt. Zum Runterschalten fordert das Icon erst auf wenn die Drehzahl extrem niedrig fällt. Auch daran habe ich mich gehalten. Bei Ankunft zeigte mir die Verbrauchsanzeige einen Durchschnittsverbrauch von stolzen 9,8 Litern Super. Das nach 650km Autobahn, freie Fahrt und Tempomat bei 140km/h. Wow. Das ist…. ziemlich hoch. Im Internet auf der Seite von Renault ist zu lesen, dass der Verbrauch außerorts bei 6,1/8,6 Litern und kombiniert bei 7,5/10,7 Litern liegt…

Auf der Rückfahrt – hier hatten wir es mit viel Stau zu tun und sind bei Würzburg sogar Landstraße gefahren – ist der Verbrauch dann sogar auf 10,4 Liter angestiegen. Alles in allem war das Auto eigentlich ganz angenehm. Mich selbst hat das polterige Fahrwerk von allem am meisten gestört. Es kommt gar nicht der Gedanke auf dass man in einem soliden Auto sitzt. Das kann selbst ein Golf schon um mehrere Klassen besser! Es rappelt bei jeder Bodenwelle etwas im Fahrwerk. Ich mag vielleicht insgesamt ein wenig übertreiben, doch habe ich jederzeit gemerkt dass das Fahrwerk nicht recht weiss was es will. Eine unpräzise Lenkung ohne viel Rückmeldung wäre da natürlich im Zusammenspiel das schlimmste. Doch… well… leider ist die Lenkung auch nicht hundertprozentig überzeugend. Würde ich nun das Geld ausgeben um einen Laguna zu kaufen? ….Das Coupé schafft es im Gegensatz zur Limousine ja sogar die Sportlichkeit über das ganze Fahrzeugdesign zu erhalten… Aber nein. Ich wüsste andere Möglichkeiten das Geld auszugeben.

Was haltet ihr vom Laguna 2.0?

 

Ja, ich leide am Bleifuss-Syndrom

Bleifuss-Syndrom

Ich bin der Überzeugung dass der “Bleifuss” als Krankheit anerkannt werden sollte. Auf ähnliche Art und Weise wie auch Burn-Out-Syndrom (Gut. Wer hier an Autos denkt liegt falsch.). Ich möchte die Symptome aufzeigen und euch Einsicht in ein bisher deutlich zu wenig erforschtes Krankheitsbild geben. Vielleicht merkt ihr ja am Ende auch dass ihr ebenfalls darunter leidet. Wenn ihr meinen Blog regelmäßig lest, dann gehört ihr auf jeden Fall zum Kreis der bereits erkrankten oder seid höchster Ansteckungsgefahr ausgesetzt. Da bin ich mir sicher.

Ich fahre gerne sportlich. Daran ist auch nichts auszusetzen. Das Problem fängt dort an, wo man trotz einer vorgenommenen entspannten Fahrt ganz ohne Sportlichkeit irgendwie doch wieder das Gaspedal malträtiert. Ein paar Beobachtungen die ich gemacht habe und die euch helfen sollten einzuschätzen, wie schlimm es auch euch erwischt hat:

1. Man steht ganz vorne an der Ampel. Sie springt um auf grün. Man möchte den nachfolgenden Verkehr natürlich nicht behindern und fährt zügig an. Wenn man den dritten Gang erreicht hat und in den Rückspiegel blickt erkennt man erstaunt, dass die anderen Autos entweder kaum noch zu sehen sind oder immer kleiner werden. Das ganze natürlich ohne dass man irgendwelche Geschwindigkeitslimits überschreitet

2. Der Kreisverkehr stellt kaum einen Grund zu bremsen dar

3. Man nimmt sich vor auf der Autobahn konstant 140km/h zu fahren – weil da die Drehzahl im fünften Gang in einem tonal angenehmen Bereich liegt. Spätestens wenn man ein Auto überholt das 5km/h langsamer fährt tritt man auf’s Gas. Danach beginnt das Schema: “Den einen nehm ich auch noch mit”

4. Das Ende von Baustellen auf der Autobahn nimmt man zum Anlass zurückzuschalten und Gas zu geben

5. Dabei wartet man ab exakt bis das Schild an einem vorbeirauscht – erst dann gibt man Gas.

6. Man bremst auf der Autobahn gerne spät, weil man dann so richtig schön merkt wie schnell man unterwegs war. (Das muss nicht bedeuten dass man zu nahe auffährt!)

6. Fährt der Vordermann im Stadtverkehr exakt 50km/h regt es endlos auf. Man kann ja 69km/h fahren ohne dass es Punkte gibt

7. Man fährt selbstverständlich die Gänge immer voll aus

8. Es beschleicht einen ein seltsames Gefühl immer dann wenn jemand anders schneller unterwegs ist

9. Der Durchschnittsverbrauch fällt immer sehr viel höher aus als er sein könnte

10. Der ganze Körper ist verkrampft und man merkt es erst wenn man in einer Baustelle wieder langsamer fahren muss

11. Nach einer langen Autobahnfahrt fällt es einem äußerst schwer wieder “Stadt-Tempo” zu fahren

12. Der Gasfuss hört kaum auf das Kommando des Gehirns ein wenig die Last vom Gaspedal zu nehmen – das Fussgelenk ist verkrampft

13. Wenn’s eng wird: Lieber Gasgeben und durch als Abbremsen und warten

Wenn ihr euch auch nur in zwei von diesen Punkten wiedererkennt, dann solltet ihr dringend in Therapie gehen. Wie könnte eine solche Therapie aussehen? Bewusstes langsamfahren funktioniert nicht. Ich muss aber auch dazu sagen: Fährt man dann doch mal entspannt und schwimmt einfach nur im Verkehr mit, ist die Fahrt um ein vielfaches angenehmer. Deswegen will ich was ändern. Doch wo fängt man an?

Ein Vorschlag wäre ein extrem schnelles und hubraumstarkes Auto. Klingt verrückt, aber es lässt sich nicht leugnen dass einem das Bremsen in einem 1L-Corsa deutlich schwerer fällt als in einem 400PS-Monster. Schließlich dauert das Beschleunigen danach 100 mal länger. Meistens legt man mit viel Hubraum eine deutlich ruhigere und konstantere Fahrweise an den Tag.

Gibt es noch andere Möglichkeiten?

Mercedes Brand Workshop Tag 2 (2): Teststrecke

Teaser Mercedes SL63 AMG

Das Beste kommt zum Schluss, ist das nicht immer so? Im Falle des Markenworkshops war es ein Besuch der Teststrecke von Mercedes in Malmsheim (ein alter Flugplatz) mit der Gelegenheit alle aktuellen Modelle (so ziemlich) mal probezufahren.

Die folgenden Bilder sollen einen kleinen Eindruck vermitteln was da so alles schön in Reih’ und Glied für uns bereitstand:

Malmsheim Mercedes Überblick Testfahrzeuge

CLS, CL65 AMG, SL, SLK, SLS, Smart, A-Klasse, C-Klasse, S-Klasse, Maybach… diese Nomenklatur lässt sich beliebig fortführen. Die Fahrzeuge die auf dem Foto zu sehen sind waren zur Ausfahrt über Autobahn und Landstraßen, aber dazu später mehr.

Zu allererst ging es auf den Handlingkurs, einen kleinen engen mit pylonen abgesteckten Parcour auf dem Spitzkehren und kurze Geraden auf uns warteten. Sechs Personen, sechs Fahrzeuge und dann wurde durchgewechselt. Auch wenn es nur ganz kurz geht, man erhält einen kleinen Überblick über die verschiedenen Fahrzeuge von weicher S-Klasse bis zum beinhartem SLS AMG, dazu ein schwächlicher Smart electric drive der dank Bremskraftrückgewinnung bei der Bremskraft nicht durch ein gefühlvolles Bremsen in irgendeiner Form ermöglichte. Natürlich war für mich der SLS AMG das absolute Highlight. Für andere wie die Blogger von mein-elektroauto.com und Konsorten war es hingegen der F-Cell.

Aber wir waren gerade beim SLS AMG. Endlich mal drinsitzen und eeendlich mal fahren. Ich bin begeistert. Das Auto passt wie ein Handschuh, zum Schließen der Tür muss man gezwungenermaßen wieder mit einem Bein aus dem Auto aussteigen – sonst kommt man nicht an den Türgriff. Alles kleine ungemütliche Details die das Auto so sympathisch und ungewöhnlich machen. Jedem musste erklärt werden dass die Automatik über eine Taste auf Parken gestellt wird. Bewegt man nur den Hebel nach vorne hat man statt wie sonst üblich Parken nämlich den Rückwärtsgang drin. Ich finde das toll. Da denkt nicht einer: Wie können wir es möglichst für alle angenehm machen das Auto zu verstehen. Nein, da denkt einer: Wie kann ich ein Auto so machen dass nur der Besitzer denkt er könne das Auto richtig fahren. So gehört sich das. Vernunft: bitte abspringen! Der Klang des V8-Motors kommt Musclecars aus den 60ern nahe wie sonst selten ein Auto deutscher Herkunft. Keiner der Teilnehmer konnte es sich verkneifen das Gaspedal ganz durchzupressen bis der Motor im Drehzahlbegrenzer seinen Unmut mit einem lauten kernigen Knacken in die Umgebung bläst. Ein faszinierendes Stück Technik. Der Innenraum ist wunderschön gestalter, kalt und technisch. Zwischen Fahrer und Beifahrer befindet sich knapp über Augenhöhe in der Mitte eine dicke breite Wulst am Dachhimmel, dort wo vermutlich die Scharniere der Flügeltüren liegen. So hat man das Gefühl sich etwas mehr strecken zu müssen um den Beifahrer oberhalb des Daches wiederzufinden, mit den Köpfen im freien Fahrtwind (was natürlich NICHT möglich ist) – oder zu ducken um sich ansehen zu können. Natürlich scheint es nur so: Tatsächlich ist diese “Wulst” kein Problem. Der Schweller hat auch die kantigen Kastenformate wie alles andere an dem Auto: So breit und hoch dass…. ich in meinem jungen Alter jedenfalls keine Probleme habe rein und raus zu kommen. Allerdings ist der feste Griff an die A-Säule bei “Reindrehen” des Hintern fast schon obligatorisch. Leider war viel zu wenig Zeit um sich alle Details zu Gemüte zu führen.

Interieur des SLS AMG in rot/schwarz

Mercedes SLS AMG Türen offen einladend

Mercedes SLS AMG Impressionen Frontpartie und Xenon-Schweinwerfer

Mercedes SLS AMG kraftvolles Heck mit geöffneten Flügeltüren

Auf dem letzten Foto ist Kim-Christopher Granz vom tollen Designblog designlovr.net zu sehen. Er hat sich übrigens für die Testfahrt direkt als erster mal den Maybach gesichert. So macht man das! Danach war noch Zeit einzelne Fahrzeuge auf fest ins Navi programmierten Routen zu fahren. Ich wollte anfangs eigentlich den CLS und den CL, irgendwann aber hatte ich dank der ganzen Fahrerei nicht mehr einen ganz so dringenden Wunsch genau diese zwei Fahrzeuge probezufahren. So wurde es der SL63 AMG. Für mehr war dann auch keine Zeit (Muss ja irgendwie mit meinem Z3 wieder nach Köln kommen, nicht wahr?). Im folgenden also ein paar Worte zum SL63 AMG – noch besser: Erst ein paar Fotos zur Einstimmung.

Mercedes SL63 AMG Front

Mercedes SL63 AMG Heck

Ist es nicht schön, das Stuttgarter Ländle? Und passt es nicht hervorrangend zum SL? Ja, wenn man hier so durch die grüne Landschaft fährt und das Blubbern des V8 hört, denkt man sich: Hach, hier müssen die Ingenieure unterwegs gewesen sein als sie den SL im Kopf hatten. Zu groß um ernsthaft als Roadster durchzugehen. Eher der Langstreckencruiser ohne Verdeck. Aus eben diesem Grund fand ich den SL nie besonders toll. Ich überlasse diese Fahrzeuggattung lieber den netten graumelierten Herren jenseits der 45, die sich damit in der Ehrenstraße in Köln oder ähnlichen Flaniermeilen einen Parkplatz sichern möchten. Ich wäre auch nie auf die Idee gekommen – so direkt – den SL probezufahren. Doch man täuscht sich eben auch mal. Draußen, nicht in der Stadt. Draußen, auf dem Land. Dort passt der voluminöse V8 perfekt in dieses Breitschiff und meisselt mit jedem Zucken des Gasfusses ein wenig mehr das Lächeln ins Gesicht. Welche Strecke hat die meisten Tunnel? Gibt es einen Kreisverkehr der komplett ein ringförmiger Tunnel ist? Falls ja: Man schnappe sich den SL63 und fahre auf dem kürzesten – ähem, längsten – Weg dorthin.

Sobald man drinsitzt und vom grauen Leder empfangen wird, von dem Ledergeruch und den ordentlich dimensionierten Sitzen. Sobald man die Zündung einschaltet – auf Stufe 1. Dann etwas wartet, sich innerlich vorbereitet und den Zündschlüssel vollends dreht, fühlt man sich irgendwie am Lago Di Como, auf einer netten kleinen Yacht. Einem kleinen Boot mit einem ebensolchen V8 Motor. Dazu passt ja die Epoche einer Brigitte Bardot oder eines Steve McQueen. Einfach zurücklehnen und den See befahren. Das möchte man auch mit dem SL. Ein Ziel gibt es nicht. Die Ausfahrt endet immer im selben Yachthafen. Es geht auch gar nicht um das Ziel, das wäre zu banal. Es geht um die Erfahrung des Weges, das Gefühl das einem das Auto mitgibt nachdem man ausgestiegen ist. Das etwas Erholung das man sonst im Alltag nicht bekommt. Auf dem Tacho verschwimmen 50 und 100 zu einer Einheit. Man kann gar nicht sagen wie schnell man gerade fährt. Der Zeiger scheint auf der selben Stelle zu stehen egal wie schnell man fährt. Irgendwann muss man immer bremsen – leider. Spätestens hinter dem nächsten LKW. Da hat der See dann doch einen kleinen Vorteil. Für alle diejenigen denen der Weg ans Mittelmeer oder den nächsten großen See zu weit ist empfehle ich den SL63. Die LKWs kann man sich auch wegdenken mit etwas Mühe. Es interessiert einen eh nicht, wenn man dem blubbern des Motors horcht und sich immer wieder etwas zurückfallen lässt -  nur um kurz zurückschalten zu können und wieder etwas zu beschleunigen.

Hat man es doch eilig begibt man sich auf die Autobahn und drückt ordentlich das Gaspedal durch – gerne auch bei manueller Schaltung (dank metallener Schaltwippen – endlich! – auch ein sattes Gefühl). Der Motor dreht voll aus und noch bevor man die linke Spur erreicht hat befindet man sich jenseits der 250. Ausser den gefühlt fast schon stehenden anderen Verkehrsteilnehmern deutet nur der etwas lautere Orkan oberhalb des Kopfes auf die Geschwindigkeit hin. Das Fahrgefühl selbst ändert sich nicht. Eher wird man im Gefühl bestätigt, dass man gerne auch bei dieser Geschwindigkeit mal eben einparken könnte. Hektik kommt nicht auf und falls nötig packen die Bremsen zu dass es einem das Genick an die Vorderzähne drückt. Das einzige was also zur Vollendung des Hochgefühls fehlt ist der Wellengang. Aber das würde ja nicht für ein gut abgestimmtes Fahrwerk sprechen.

Die 21,9 Liter im Schnitt laut Bordcomputer (Bild unten) sind nur ein kleiner Beitrag den man zu leisten gewillt ist. Ich persönlich auch allein schon dafür den Klang des Motors im Stand in der Garage genießen zu können. Fahren ist nur der Bonus. Ich habe meine Meinung über den SL geändert. In 45 Minuten.

Mercedes SL63 AMG Xenon-Scheinwerfer

Mercedes SL63 AMG Dashboard Cockpit Interieur

Mercedes Brand Workshop Tag 2 (1): Design-Zentrum

Teaser Mercedes Concept A

Am zweiten Tag des Workshops ging es direkt in der Früh ins streng gehütete Design Zentrum von Mercedes Benz. Auch hier ist wieder die Architektur – 5 Hallen ähnlich 5 Fingern – hervorstechend. Aber diesmal spielt das eine untergeordnete Rolle.

Zuerst wurde uns in der sogenannten Powerwall in einem Vortrag durch den für Exterieur-Design verantwortlichen Chef, Hans Dieter Futschik, das Design von Mercedes nahegebracht. Die Powerwall dient zur möglichst lebensnahen Präsentation von zukünftigen Modellen als 3D-Modell und auch zur Kommunikation der verschiedenen Designzentren weltweit. In unserem Fall wurden die Folien zur Präsentation eingeblendet anhand derer man ein wenig das Design und die Designgrundlagen von Mercedes nachverfolgen konnte. So wurde uns gesagt, dass bei den neuen Modellen (anhand des SLS AMG) sich eine Linie findet, die über den vorderen Radkasten ansteigt und dahinter, vorbei an der Fahrertür, wieder nach unten absinkt. Bei den Modellen die vor der aktuellen Designlinie auf den Markt kamen war es die eher aggressive über den Radkasten und immer weiter ansteigende Linie (Wildkatze auf dem Sprung würden die Leute von Jaguar wohl dazu sagen). Vermutlich wäre früher als ich nach Fahrzeugdesign studieren wollte diese Begegnung das größte für mich gewesen. Jetzt war es einfach nur interessant zuzuhören. Aber viel neues – vorausgesetzt man kennt sich mit dem Design von Mercedes aus – gab es hier nicht zu hören.

Hans Dieter Futschik, Head auf Mercedes Design - Exterieur

Martin Bremer, Design Trim&Colour

Danach wurden wir in die Abteilung Trim&Colour geführt. Hier wird ausgewählt welche Stoffe, Hölzer und Farben in den zukünftigen Mercedes Verwendung finden. Dabei gab es schon deutlich mehr interessantes herauszuhören. Mit seiner für Designer typischen freundlich extrovertierten Art zeigte uns Martin Bremer alles woran aktuell geforscht wird. Dazu gehören neue Stoffe wie Seide, Kashmir oder Leinen, die Dank der inzwischen weiten Verbreitung von Leder-Exterieur wieder an Exklusivität gewinnen könnten. Was hier an Materialmix zu sehen war kann einen echt für neue Stoffe begeistern.

Wenn es um Holz für Zierleisten geht wurden uns zwei ganz neue Holzarten gezeigt. Einmal gepresste Sojabohnen (wenn ich das denn richtig verstanden habe) die eine richtig ungewöhnliche, sehr edle Struktur ergeben und als “Tropenholz” Banane. Bananenbäume wachsen sehr schnell wodurch – so Herr Bremer – ein großer negativer Effekt auf die Umwelt vermieden werden kann. Schön anzusehen ist es allemal. Daneben ist ein wichtiges Thema die Oberflächentextur von Holz. Dadurch wird die Maserung fühlbar und das Holz gewinnt an Authentizität. Bei alledem darf sich das Holz mit den Jahren natürlich nicht verfärben. Denn tauscht man nur eine Zierleiste an der Fahrertür muss gewährleistet werden, dass immernoch alle Leisten im Auto zusammenpassen.

Weitere interessante Fakten nur kurz angerissen:

- Es wird nur Baumwolle bei allen Stoffsitzen verwendet – synthetische Fasern gibt es nicht
- Es werden neue Nähmaschinen entwickelt um neue Muster bei Nähten zu ermöglichen
- Es wird an neuen Lederperforationen gearbeitet (Sitzklimatisierung und ähnliches machen dies nötig) die ein einfacheres Nähen des Leders ermöglichen ohne dass die Nadel der Perforation folgt
- Für Elektroautos der Zukunft denkt man laut über Wechselbezüge für Sitze nach. Im Winter dick, im Sommer dünn. So soll der hohe Batterieverbrauch durch die Heizung verringert werden

Direkt danach ging es in die – ich nenne sie mal so – “Präsentationshalle”, in der ein paar Konzepte ausgestellt waren. Die meisten waren ziemlich angetan vom Unimog-Konzept in Giftgrün. Ich jedoch will weder ein Foto davon zeigen, noch darauf eingehen. Viel interessanter waren Der Mercedes F800 Style und das Konzept A. (In der Halle standen auch noch ein SLS AMG und ein SLS AMG Convertible, ein Smart Konzept und …)

Mercedes Benz Concept A Aussenspiegel

Das Concept A von Mercedes (auch auf dem ersten Foto des Beitrages zu sehen) sieht super aus. Genau mein Geschmack. Allerdings sind es wie bei Studien so oft die kleinen produktionsfernen Details, die es so toll machen. Da wären die wunderschönen Aussenspiegel die fein und filigran sind und ohne die das Konzept sehr viel an Style verliert (einfach mal mit dem Daumen abdecken beim Foto am Anfang). Für die Serie sind sie zu filigran: Das Spiegelglas muss allein schon aus rechtlichen Gründen größer sein.

Dann noch der “Badmatten”-Effekt am Kühlergrill und am angedeuteten Diffusor am Heck. Schwarze Stäbe mit Chromspitzen. Wer kann sowas putzen und wie wird der Motor gekühlt? Noch eines ist mir beim Konzept A aufgefallen. Und noch bevor ich es aussprechen konnte kam mir Don Dahlmann zuvor: Das Heck ähnelt ziemlich dem VW Scirocco, aus bestimmten Perspektiven! Im Innenraum gibt es eine durchgehende Mittelkonsole, damit also zwei getrennte Einzelsitze für den Fond. Die nächste A-Klasse soll so oder so ähnlich aussehen, jedenfalls die Sandwichbauweise verlieren. Dafür gibts ja noch die B-Klasse! ;) Es gefällt mir wo sich Mercedes hinentwickelt.

Mercedes F800 Style

Dass der F800 Style der Öffentlichkeit vorgestellt wurde ist ja schon was her… Trotzdem finde ich auch den immernoch richtig schön. Einfach das Foto oben mal genauer betrachten. Es sieht einfach wie eine 1:1 Umsetzung einer ersten Skizze eines Designers aus, oder? Die Felgen sehen schlimm aus und stehen viel zu weit hervor, naja, aber sonst!

Mercedes Benz Designskizzen

Nach dem Designcenter ging es nach Malmsheim auf die Teststrecke – das lest ihr im nächsten Beitrag.

Die Fotos stammen alle leider nicht von mir. Fotografieren war natürlich strengstens untersagt.

Bildquelle: Mercedes Benz

Mercedes Brand Workshop Tag 1: Mercedes Museum

Mercedes Museum Artikel Brand Workshop

Mercedes-Benz hat eingeladen und wir sind dem Ruf gefolgt – ich und 20 andere Blogger. Den Social Media Verantwortlichen von Mercedes-Benz ging es dabei darum die Leute hinter den Blogs kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen. Das Praktische daran ist, dass man direkt mal ein paar der Bloggerkollegen wie Ralf Becker von dem in meinen Augen exzellenten Blog chromjuwelen.com persönlich kennenlernt.

Entsprechend fing das ganze mit einer kleinen Kennenlernrunde und Sektempfang an. Nach einem sehr informativen Vortrag von Alexander Mankowsky, seines Zeichens Zukunfstforscher bei Mercedes (ich find immer absolut spannend was Wissenschaftler in großen Unternehmen so alles forschen :) ) gab es eine exklusive Führung durch das Mercedes Museum. Schließlich war es Montag und das Museum war offiziell geschlossen. Nur so war es mir möglich die hier gezeigten menschenbefreiten Fotos zu machen. Erinnert mich stark an “Night at the museum” aus einer vergangenen Ramp-Ausgabe!

Mercedes Museum Artikel Brand Workshop Studie Eingangsbereich

Die wirklich tolle Idee bzw. das Konzept hinter dem Museum ist folgendes: Anstatt dass man einfach nur chronologisch aneinandergereihte Autos der Marke sieht begleitet einen ein Zeitstrahl der Weltgeschichte durch das ganze Museum. Mir kam es schon eher so vor als stehe die Weltgeschichte im Vordergrund. Und das ist nicht negativ gemeint! Man versteht so welche zeitlichen Geschehnisse zu welchen Fahrzeugen geführt haben und wie sich die Industrie mit der Zeit gewandelt hat. Auch dass das Automobil jederzeit ein wenig taktgebend war. Einfachstes Beispiel das mir einfällt: Sieht man sich einen Film an wird keiner abstreiten dass man nicht auf die Autos achtet um darauf zu kommen in welcher Zeit der Film spielt. Neben der Kleidung natürlich.

Mercedes Museum Artikel Brand Workshop Geschwindigkeitsrekord Fahrzeug

Das Bild (oben) verdeutlicht gut was man in dem Museum empfindet. Absolute Schönheiten und die Augen laufen einem über.

Nach der Führung durch das Museum – gerade als es dunkel wurde – ging es wieder auf die oberste Etage und zum Dinner. Lecker essen und die Leute besser kennenlernen.

In den nächsten Tagen gibts den Bericht zum zweiten Tag des Workshops. Das dürfte dann der interessante Teil werden. :)

Zum Abschluss noch ein paar Impressionen vom Museum – fast mehr von der Architektur als von Fahrzeugen. Das Gebäude ist mit einem Wort: Atemberaubend!

Mercedes Museum Artikel Brand Workshop Impressionen Museumsgebäude Sindelfingen