Pit-Stop als Ergänzung zur Lieblingswerkstatt?

Pit-Stop GmbH 2012 Alter Autoreifen

 

Gibt es mal wieder etwas an einem meiner Autos zu reparieren verlasse ich mich für gewöhnlich auf “meine” Werkstatt. Die ist frei, sehr kompetent, bietet einen klasse Service und das zu einem angemessenen Preis. Ich will die Arbeit nicht missen und sie ist auch jeden Cent wert den ich zahlen muss.
Doch die Werkstatt ist auch ganze 60km von mir entfernt. Das ist aus zwei Gründen ein Problem:
1. Ich kann das Auto nicht hinbringen da ich arbeite
2. Ich komme ohne Leihwagen oder zweiten Fahrer nicht wieder zurück

Für größere Probleme oder Inspektionen nehme ich das gerne in Kauf. Doch manchmal muss eben nur etwas Kleines repariert oder geändert werden. Etwas was ich auch selbst machen könnte aber keine Zeit oder Lust habe. (Siehe Teaser-Foto :) )Für solche Fälle bieten sich Werkstattketten an. Wie A.T.U. oder Pit-Stop.
Der größte Unterschied zwischen beiden ist dieser: Während A.T.U. alle Arten von Reparaturen anbietet und meist auch noch einen Autoteile- und Autozubehör-Verkauf an die Werkstatt angeschlossen hat, beschränkt sich Pit-Stop auf die kleinen, schnellen Arbeiten. Bremsen, Stoßdämpfer, Reifen, Batterie, Autoscheiben, Verbrauchsteile (Ölwechsel etc.). Eigentlich genau die Sachen für die ich keine Fahrt in meine Werkstatt in Kauf nehmen würde.
Mit A.T.U. habe ich persönlich nur schlechte Erfahrung gemacht. Kleines Beispiel gefällig?
Mit dem Corsa unterwegs und auf der Autobahn den Auspuff verloren (what? genau!). Er hing noch drunter, also ganz so schlimm war’s nicht. An einer Raststätte unters Auto und Auspuff abmontiert. Da ich 700km von zuhause weg war und es kurz vor Wochenende war musste schnell ein passender Auspuff für die Rückfahrt her. A.T.U. hatte einen vorrätig. Der wurde druntergebaut, kurz vor Ladenschluss, der Corsa vor die Garage gestellt, die Tore geschlossen und ich soll währenddessen zahlen. Nach dem Zahlen ins Auto und Motor anlassen: Es knattert und scheppert wie verrückt. Ein Mitarbeiter war noch da, den konnte ich zwingen zu bleiben und widerwillig nochmal drunterzusehen: Die Manschetten waren verdreht und auch an anderen Stellen war der Auspuff einfach unsauber montiert und schlug gegen den Unterboden. Na super. Das kann ich auch. Zurück zuhause musste er dann auch nochmal in die Werkstatt. Der Auspuff war nicht dicht.

Bei Pit Stop verhält sich die Sache anders. Mir gefällt dass sie sich auf die schnellen Arbeiten beschränken und damit quasi die perfekte Ergänzung zur eigenen Lieblingswerkstatt bieten. Mein konkreter Fall: Wir haben nicht damit gerechnet dass unser Z3 so lange steht. Nun ist die Batterie leer (immernoch original von 2001) und ich befürchte sogar tiefentladen. Eine neue Batterie gibt’s natürlich auch im Internet aber mal ehrlich: Batterie bestellen, einsetzen und dann auch noch die alte entsorgen? Das ist mir irgendwie schon zu umständlich (der Entsorgen-Part). Dann lieber kurz zu Pit-Stop und das ganze Paket schnell und zu einem günstigen Preis. Genau das steht mir demnächst bevor. Dann werde ich euch auch hier von der Erfahrung berichten die ich mit Pit-Stop gemacht habe.

Bisher ist mein einziger Kontakt nämlich folgender gewesen: Mitten im tiefsten Winter vergangenen Jahres ist der Vorderreifen einer Freundin geplatzt, Ersatz musste her. Überall rumtelefoniert und natürlich gab’s nirgends mehr Reifen. Bei A.T.U. war die Aussage eines unfreundlichen kurz angebundenen Mitarbeiters am Telefon: “Der kann auch andere Reifen fahren, das passt dann schon”. Obwohl ich den Fahrzeugschein vor mir liegen hatte. Ergab eine hitzige Diskussion bei der ich Ihn auf seine Kompetenzen angesprochen habe. Denn: Er meinte sogar Reifen mit den Dimensionen sind total selten. Was nicht stimmt. Sehr seltsam alles. Insgesamt habe ich ohne Erfolg mit 4 ATU’s telefoniert an diesem Tag.

Bei Pit-Stop gab es keine passenden Reifen auf Lager aber sie meinten sie können Sie bis zum nächsten Tag organisieren und es sei auch kein Problem das Auto auf dem Hof stehen zu lassen falls wir es an dem Tag schon dorthin abschleppen lassen wollen (Ersatzreifen war nämlich nicht zur Hand. Es war ein uralter Fiesta und der hat das Ersatzrad hinten unter dem Auto. Das war alles hoffnungslos verrostet, auch der ADAC konnte da nicht helfen. Der Reifen wäre wohl sowieso unbrauchbar gewesen.). Sie würden es dann auch direkt morgens erledigen. So soll das laufen!

Pit Stop wurde letztes Jahr von der PV Automotive GmbH übernommen. Die will Pit-Stop in ein Franchise-Unternehmen umwandeln. Daher sollen Mitarbeiter in den Niederlassungen dazu bewegt werden Franchise-Nehmer zu werden. Die Argumentation: Wenn der Laden einem selbst gehört steckt man auch mehr Herzblut rein. Laut einem FAZ-Artikel war die Übernahme nicht ganz selbstlos: Pit-Stop war auch schon vorher ein “wichtiger Kunde des Großhändlers PV Automotive” (F.A.Z. vom 1.8.2010), daher ist das weitere Bestehen der Kette natürlich wichtig für den Essener Großhändler.

Übrigens: Am Montag, den 5.3.2012 um 21:15 Uhr ist der Geschäftsführer der Pit-Stop Systempartner GmbH, Stefan Kulas, in der Sendung “Undercover Boss” auf RTL zu sehen. Er versucht sich als Azubi in einer der Werkstätten.

Aston Martin One-77 – letztes Exemplar noch unverkauft

Aston Martin One 77 Letztes unverkauftes Exemplar

Wenn ihr von einem wunderschönen Aston Martin träumt und ein wenig Kleingeld (1 Million und mehr) für ein Wochenendauto (oder zum Pendeln in die Arbeit) übrig habt, dann solltet ihr nicht zögern zuzuschlagen. Aston Martin ließ verlauten (siehe via-Link) dass das letzte Exemplar des streng limitierten Super-Hyper-Sportwagens One-77 noch unverkauft ist und somit von einem meiner glücklichen Leser rein theoretisch erworben werden kann.

Ich würde an dieser Stelle gerne ein Gewinnspiel anbieten, aber wenn ich von Aston Martin ernstgenommen werden will stelle ich lieber keine Anfrage per Mail. Andererseits: Die Reaktion könnte ja ganz lustig ausfallen….

Zu den Fahrleistungen brauche ich nichts zu sagen denn ihr wisst GANZ GENAU wie die aussehen. Würdet ihr einer Frau die so wunderschön ist wie der Aston Martin One-77 in die Augen sehen und Fragen stellen wie “sag mal, wie schnell rennst du eigentlich die 100 Meter?” oder “wieviel Sekunden brauchst du um dich wieder zu beruhigen wenn du richtig in Fahrt bist”? Nein? Eben. Dachte ich mir.

 

Bildquelle: Aston Martin

via Worldcarfans

“Shared Space” Straßenprojekte, bald auch in Köln?

Shared Space EU-Projekt in Bohmte

Zur Zeit ist ein Thema in aller Munde: “Shared Space” Straßenbauprojekte verbreiten sich immer weiter in Deutschland nachdem sie in einigen Städten [Liste der Städte] erfolgreich eingeführt wurden. Nun steht auch in Köln ein solches Projekt zur Debatte. Laut Kölner Stadtanzeiger [Artikel vom 14.10.2009] soll möglicherweise dieses Jahr die Ehrenstraße zum “Shared Space” werden. Auf meine Anfrage zum Thema hat das Kölner Amt für Straßen und Verkehrstechnik leider bisher nicht geantwortet. Sollte das noch passieren werde ich hier die Infos nachtragen. (Edit 01.02.2012: Mail vom Kölner Amt für Straßen und Verkehrstechnik: “Bauliche Veränderungen sind erst ab 2014 vorgesehen; zur Zeit wird die Planung abgestimmt.”)

 

Doch zuerst möchte ich erklären was “Shared Space” genau ist.

 

“Shared Space” wurde ursprünglich unter anderem von Hans Monderman [http://www.oiav-ooe.at/oiavInfoEintragDatei_5.pdf] erdacht. Von 2004 bis 2008 wurde die Idee als EU-Projekt im Rahmen des Infrastrukturförderprogramms INTERREG North Sea Region Programme in Friesland (Mondermans Heimat), Großbritannien, Belgien, Dänemark und Deutschland umgesetzt. Grob umrissen lässt sich das Projekt so umschreiben: Der Verkehrsraum wird nicht wie bisher unter den Verkehrsteilnehmern durch bauliche Maßnahmen wie Bürgersteige oder Beschilderung strikt getrennt. Stattdessen existieren alle nebeneinander auf derselben Fläche. Menschen laufen zwischen Autos, Radfahrer fahren kreuz und quer, Tische und Stühle von Cafés und Verkaufsflächen dazwischen. Das gewünschte Resultat ist simpel und nachvollziehbar: Statt dass Autofahrer Schilder beachten müssen die Ihnen eine mögliche Gefahr zeigen oder worauf sie Rücksicht nehmen müssen soll Ihnen ihre Umgebung ein bestimmtes Verhalten von alleine nahelegen. Spielen Kinder auf der Straße und überqueren Menschen den Weg, herrscht also geschäftiges Treiben, und sind dabei keine Bürgersteige in Sicht, so geht der Autofahrer automatisch vom Gas. Wer jetzt denkt dass dies zu vermehrten Unfällen führt wird eines Besseren belehrt. In Bohmte, einer der Versuchsorte, stieg die Unfallhäufigkeit nicht. “[...]Wo in den Vorjahren ca. 30 – 40 Unfälle passiert sind, sind seit der Öffnung des Shared Space-Bereichs im Mai 2008 bisher “nur” Bagatellunfälle (also keine Verkehrsunfälle mit Personenschaden) passiert, wobei keiner originär auf das Shared Space-Prinzip zurückzuführen ist.” [Website der Stadt Bohmte] Allerdings sollte man dazusagen: Einen Rückgang kann man auch nicht erwarten.

 

Warum das Ganze funktionieren muss war mir sofort klar – aus ganz eigener Erfahrung.

 

Was hier als neues Konzept gepriesen wird ist das, was in Ländern wie der Türkei immer schon üblich war. In der Türkei gibt es zwar immer mehr Bürgersteige (die dazu auch noch ca. doppelt so hoch sind wie hier, so dass Autos nicht halb auf dem Bürgersteig parken können) doch trotzdem wartet man als Fussgänger selten auf grüne Ampeln. Doch auch darauf dass die Straße frei wird wartet man nicht. Man geht einfach los und bewegt sich Stück für Stück zwischen den Autos durch. Das funktioniert weil die Autofahrer bewusst damit rechnen dass überall Menschen zwischen den Autos sind und somit falls nötig auch vom Gas gehen. Natürlich ist es ein großes Chaos mit viel Gehupe, doch wenn man lernt mit der Situation umzugehen kann man sich relativ natürlich auch über mehrspurige Straßen bewegen.
Während die Türkei dem europäischen Vorbild folgt und inzwischen mit hüfthohen Barrieren zwischen den beiden Richtungsspuren den einfachen Straßenseitenwechsel zu verhindern versucht wird in Europa eine Neuinterpretation dieser Idee versucht, die jedoch den Sicherheitsgedanken nicht vernachlässigt.

 

Ohne weiteres kann man sich hier nicht wie in der Türkei benehmen.

 

Oft denke ich mir genau das wenn ich in einer deutschen Stadt versuche von Punkt A zu Punkt B zu kommen. Versucht man es auf die “anatolische Art” muss man schnell damit rechnen unter einem Auto zu landen. Weil hier alles sehr genau geregelt ist, durch Bürgersteige, Fahrradwege, Ampeln und Schilder, kennt jeder seine eigenen Rechte und – da fängt das Problem an – besteht auch darauf. Das führt dazu dass man als Fußgänger beim Umspringen der Fussgängerampel auf Rot schnell von einem Autofahrer bedrängt wird und beim Überqueren einer Straße an einer Stelle ohne Zebrastreifen nicht damit rechnen kann, dass ein Autofahrer bremst. Ob er einfach an dieser Stelle gar nicht erst mit einem Menschen auf der Straße rechnet oder sich nur denkt er dürfe auf seiner Straße fahren (Vorfahrt!) und der Fussgänger solle warten, sei mal dahingestellt. Andererseits kann man sich natürlich als Fussgänger auch sicher sein bei jedem Zebrastreifen unbehelligt über die Straße zu kommen. Hat eben alles seine Vor- und Nachteile.

 

Betrachtet man als Beispiel die Ehrenstraße in Köln ist das Problem sofort sichtbar.

 

In der Ehrenstraße fahren die Autos in einer Richtung. Auf einer seite wird geparkt. Auf beiden Seiten der Straße sind Boutiken, Geschäfte und Cafés. Die Bürgersteige auf beiden Seiten sind an der breitesten Stelle so, dass zwei Personen nebeneinander gehen können, an der schmalsten Stelle so, dass man eher auf die Straße ausweicht. Dass hier überhaupt Autos fahrenist möglicherweise ein unvermeidbares übel. Doch zum entspannten flanieren ist die eigentlich sehr angesagte Straße nicht geeignet. Der Blick muss immer nach hinten gehen ob gerade ein Auto angefahren kommt. Idealerweise wäre diese Straße eine reine Fussgängerzone. Ich spekuliere: Würde diese Straße zu “Shared Space”, so würden die Bürgersteige verschwinden, die gesamte Straße würde gepflastert werden, sogut wie alle Schilder würden entfernt werden und Tische und Bänke würden in die Fahrfläche ragen. Autofahrer wären automatisch dazu gezwungen vom Gas zu gehen, würden dies aber auch als selbstverständlich ansehen da ihre Umgebung nicht eine “Autostraße” suggeriert. Sie wüssten einerseits dass sie ungehindert die Straße zum befahren verwenden können, andererseits aber auch sich dem Geschehen auf der Straße anpassen sollten.

Tempolimits an solchen Straßen werden oft mißverstanden. Steht dort 50km/h als Limit wird dies als: “Hier fahre ich 50, egal was kommen mag” interpretiert statt als “sollte die Situation es erfordern fahre ich auch mal 20″. Durch den Wegfall der Beschilderung ist der Fahrer gezwungen seine mögliche Geschwindigkeit aus seiner Umgebung abzuleiten. Das Resultat des Ganzen soll ein relaxtes Beisammensein aller Verkehrsteilnehmer sein.

Eigentlich kennt man es in Deutschland schon von der Spielstraße bzw. der verkehrsberuhigten Zone. Doch sind dies meist nur kleine Sträßchen in Anwohnergebieten. Jetzt soll das Prinzip eben in großem Maße angewendet werden.

Doch was noch passieren muss ist eine Anpassung der Denkweise der Bürger: “Das Verkehrsverhalten der Verkehrsteilnehmer orientiere sich stark an konventionellen Verhaltensmustern: Die Kfz benutzen die Straße, die Fußgänger den Gehweg und die Radfahrer tendenziell eher den Gehweg. Im Rahmen der Untersuchungen wurde häufig ein Stocken des Verkehrs beobachtet, teilweise durch zögerliche Fahrweise.” [Wiki: Shared Space in Bohmte]

Ausführliches PDF zum Thema bei Mobilität21

Bildquelle: Wikipedia | Bohmte, Shared Space Kreuzung, 2008 | Urheber: Milchlieferrant

Wenn das Auto hoffentlich nicht steckenbleibt. Geschichten aus Afrika.

Roter VW Käfer an Holzbrücke

 

(Zu allererst: Das hier gezeigte Foto stammt nicht aus Afrika sondern aus Südamerika, aufgenommen 1987)
Wo sind die guten alten Tage hin (nicht dass ich zu der Zeit einen Führerschein gehabt hätte) als man sich noch aus seinem eigenen Dreck ziehen musste? Die Situation in die man sich durch eigene Fahrweise hineinmanövriert hat? Zu einer voll vernetzen Zeit in der man jederzeit über Handy Hilfe rufen kann ist es kaum noch vorstellbar das das Zusammenbrechen des Autos zu einer schwierigen Situation führen könnte. Die gelben Engel sind überall.

Da hört man Geschichten vom Vater wie mit Strumpfhosen Keilriemen ersetzt werden mussten oder Löcher im Kühler mit gekautem Brot von innen abgedichtet wurden und es klingt nach Abenteuer. Werde ich meinem Sohn erzählen dass die Elektrik meines Autos plötzlich komisches Verhalten an den Tag legte und ich per Handy den ADAC alarmieren musste? Ich bezweifle es.

Doch es gibt zum Glück diese Abenteuer noch, man muss nur etwas mutig sein.

Es ist 2001, ein heißer Sommer. Ich stehe kurz vor dem Abitur und habe bereits meinen Führerschein. Nichts ist schöner als fahren, das war mir schon lange vorher klar. Vor dem üblichen Besuch in Istanbul geht es dieses Jahr nach Namibia. Zwei Wochen an der Westküste Afrikas in Vorbereitung für eine Universitätsexkursion meines Vaters. Es gilt Strecken abzufahren, Übernachtungsmodalitäten zu klären und mit den Leuten zu reden die bald eine größere Gruppe Studenten empfangen werden.
Mir ist am zweiten Tag immernoch durch Jetlag und die deutlich andere Luft schwindelig. Dazu ist es fürchterlich kalt in Windhoek. Es wird auch den gesamten Aufenthalt über so bleiben. Allerdings dann nur Nachts. Tagsüber hat es 38 Grad im Schatten und mehr. Wasserflaschen werden da schnell zum besten Freund.

Wir nehmen unseren Pickup-Truck in Empfang. Fragt mich nicht ob Isuzu, Toyota oder was auch immer. Es ist zu lange her und Fotos existieren nur als Dias, die lange verschollen sind. Doppelkabine und überdachte Ladefläche. Die wird mit Zelten und Vorräten beladen bis an die Oberkante. Übernachtet wird in den kalten Wüstennächten natürlich ausschließlich im Freien. Die Taschen und Koffer ketten wir jedesmal beim Beladen gewissenhaft mit Schlössern an die Karosserie des Pick-Up.

Die erste Herausforderung ist auch gleich der Linksverkehr in der Innenstadt von Windhoek. Die nächsten Wochen geht es über unbefestigte Straßen kreuz und quer durch Namibia, nach Westen, Osten, Norden. Der Sand in der Namib-Wüste ist so fein, dass kein Filter im Auto der Belastung standhält. Bald ist sowohl alles was sich auf der Ladefläche befindet also auch der gesamte Innenraum mit feinem roten Staub überzogen. Er lässt sich nichtmal mit der Hand abschütteln, da muss schon Wasser her.

Größtenteils kommen wir gut durch, die meisten Straßen sind doch recht gut. Ein paarmal müssen wir Räder vom Sand freischaufeln um weiterzukommen, aber es gibt nie größere Probleme.

An einem großen wunderschönen Wasserfall campen wir mal wieder, am nächsten Tag früh morgens um 8 geht es auf die Horrorstrecke schlechthin.

Das Ziel: 21km “Straße”, 8 Stunden Zeit (bis es dunkel wird) um am anderen Ende rauszukommen. Einzige Hilfsmittel Satellitenkarten und ein GPS-Gerät.

Anfangs ist die Straße noch Straße, doch recht schnell wird aus der Straße ein Weg und noch schneller aus diesem Weg ein Trampelpfad. Riesige Steine müssen umfahren werden oder mit dem Rad exakt überfahren werden um schäden an den Achsen oder der Aufhängung zu vermeiden. Immer ist einer von uns draußen vor oder hinter dem Auto und gibt Signale wann es knapp wird. Die Strecke zieht sich und zieht sich. Kurz danach die erste wichtige Entscheidung.

Man sollte wissen dass wir zur Regenzeit unterwegs sind und mehrere Informationsquellen im Vorfeld uns unterschiedliches gesagt haben was die Befahrbarkeit der Strecke angeht. Es müssen mehrere Flüsse überquert werden die sich, falls sie Wasser führen, schlichtweg nicht überqueren lassen. Wir wollten es trotzdem versuchen und nun hatten wir das erste Flussbett vor uns. Es war trocken, kein Wasser. Ab hier gilt: Durchfahren wir diesen Fluss kann es auch passieren dass auf dem Rückweg (falls das nötig wird) alles anders aussehen kann. Also: Meine erste Flussbett-Durchquerung. Der einzige Rat meines Vaters: Gib gut Gas und versuch nicht zu schalten. Bleibst du unten im Flussbett stecken kommen wir nicht mehr raus. Seilwinde gab es keine am Fahrzeug. Also mit ordentlich Anlauf im zweiten oder sogar dritten Gang halsbrecherisch die Böschung runter, durch das sandige und extrem weiche Flussbett fahren, den Atem anhalten während das Auto mit der Schnauze voraus sich immer weiter in das Flussbett hineingräbt während es auf die andere Böschung zugeht. Dann wird der Boden wieder fester, die Schnauze hebt sich wieder aus dem Sand und…. puh, Glück gehabt, der Schwung reicht um auch wieder herauszukommen.

Danach erwarten uns traumhafte Landschaften. Bäume die nur so von Vögeln und Affen überbevölkert sind, idyllische kleine unberührte Naturinseln. Die zweite Flussdurchfahrt geht schon routinierter. Bei der dritten macht uns die schiere Breite des Flussbettes etwas Sorgen und die Tatsache, dass genau dort wo wir rausfahren wollen ein alter freundlicher Himba-Mann unter einem toten Baum sitzt und uns beobachtet, ein Lächeln umspielt seine Lippen. Für solche Situationen haben wir Süssigkeiten und Tabak dabei, in rauhen Mengen. Immer wieder kommen Kinder ans Fenster gerannt und halten die Hände offen. Da ist es nützlich Geschenke dabeizuhaben.

Mein Vater schnappt sich den Tabak und geht zu dem Mann rüber. Sie unterhalten sich ein wenig, der Mann bewegt seine Hände und gestikuliert viel, redet förmlich über seine Hände. Worüber sie reden wissen sie beide nicht recht, aber sie scheinen sich gut zu verstehen. Der Mann steht auf und setzt sich ein Stück weiter links wieder hin. Nicht wirklich viel aber es ist ein Fortschritt. Dann geht’s los. Vollgas, Augen zu. Das Flussbett ist so breit dass ich doch Schalten muss. Bei der Zugkraftunterbrechung wird das Auto förmlich vom Boden angesaugt, Schnauze taucht weit ein und die Drehzahl fällt auf ein Niveau das fast nicht mehr für den nächsthöheren Gang reicht. Trotzdem: Es geht immernoch vorwärts! Auf den letzten 5 Metern zweifle ich schon am Erfolg des Versuchs, doch dann ein riesen Satz und der Pick-Up truck landet auf festem Boden, krallt sich fest und zieht sich die letzten Meter der steilen Böschung herauf.

Inzwischen ist es sehr spät geworden, der Weg wird immer enger, kaum ein dicker Ast der nicht am Lack kratzt. Auf einer kleinen Anhöhe vergewissern wir uns unserer Position via GPS-Koordinaten und Satellitenaufnahmen. Dem Zeitplan sind wir längst deutlich hinterher. Immer mehr Steine versperren unseren Weg. Steine bei denen wir an anderer Stelle auf keinen Fall weitergefahren wären. Aber für die Umkehr ist es viel zu spät und der Weg wäre genauso ungewiss wie die Reststrecke. Was es noch schlimmer macht: Auf dem Weg der hinter einem liegt weiss man welche Hindernisse erneut auf einen warten würden. Ein Ersatzfahrzeug oder Backup gibt es nicht. Selbsthilfe ist der einzige Weg. Sollten wir in der Wildnis Zelten müssen weil das Auto steckenbleibt oder einen Defekt hat haben wir genug Wasser für ein paar Tage, in beide Richtungen mindestens 10km Fussmarsch. Andere Menschen außer dem Himba-Mann sind uns nicht begegnet. Die Flüsse werden immer kleiner, führen inzwischen auch Wasser. Doch sie werden so klein dass es erneut Probleme gibt: Der Pickup-Truck hat für die V-förmigen, tiefen Flussbänke viel zu lange Überhänge. Der Kuhfänger bleibt immer wieder mit einem laut vernehmbaren “donk” an Felsen hängen und hebt das Auto aus.

Es wird dunkler, inzwischen sind wir auf die Scheinwerfer angewiesen um etwas sehen zu können. Anderes künstliches Licht gibt es nicht. Absolute Dunkelheit da draußen. Die Strecke ist ungewiss und die Stimmung leidet immer mehr unter der Situation. Noch 5 Kilometer und es ist bereits 21 Uhr durch. Keine Rücksicht mehr auf Verluste. Wir wollen nur noch ankommen. Die Straße wird wieder zu einer Straße – oder zu dem was man noch so einer Strecke als Straße erwartet. Die ersten Häuser mit Licht und die große Erleichterung. ADAC war nicht nötig. Das Auto hat uns sicher über den Tag gebracht.

 

Programmhinweis: Top Gear Christmas Special 2011

Top Gear Christmas Special 2011 India Indien

 

Auch dieses Jahr machen Jeremy, Richard und James ein Land zu Weihnachten unsicher. Letztes Jahr ging es quer durch den nahen Osten. Am Ende der Reise der heiligen drei Könige wurde die Geburt des neuen Jesuskinds Stig-Kinds gefeiert.

Dieses Jahr gibt es in der BBC auch wieder ein Special. Das Land der Wahl ist Indien. Wir sind gespannt und wärmen schonmal die Motoren auf.

Das Special wird kommenden Mittwoch, den 28.12.2011, in Großbritannien ausgestrahlt. Zur Einstimmung noch zwei kurze Trailer.