
It’s the Corsa! Grüner Frosch hab ich ihn früher genannt.. Allein “Corsa” klingt eigentlich schön. “Il cavallo da corsa” bedeutet das “Rennpferd”. “L’auto da corsa” ist das “Rennauto”. Corsa ist das Rennen oder die Tour. Passt doch gut zu einem Auto? Hängt man den Hersteller davor verfliegt aber der südländische Charme den das Wort sonst versprüht. Opel Corsa. Klingt holprig und minderwertig. Moment…. sooo unpassend sind diese Eigenschaften am Ende doch auch nicht.
Es lässt sich am besten mit Hassliebe umschreiben. Ich hasse den Opel Corsa. Als solches, als Fahrzeug. Doch wann immer ich in meinem Leben (zusätzliche) Mobilität brauchte, war er da. “Miep, miep” hupt er und steht plötzlich vor der Tür. Ganz wie einst Herbie. Es ist einfach verlass auf ihn. Und ich tue mich wirklich schwer damit das zu akzeptieren. Schubse ihn weg und sage “lass mich in Frieden!”. Er blickt mich aus den knolligen Scheinwerfern an und will einfach nicht gehen. Ich würde mit der Axt auf Ihn losgehen. Aber ist das nicht in jeder Beziehung so? Man stellt sich viel vor, viel Gewalt. Am Ende des Tages will man doch wieder nur kuscheln.
So kommt es dass der knallgrüne Corsa 3-Zylinder mit weniger als einem Maß Hubraum, knapp 105.000km auf der Uhr ächtzend und mit nur knapp über 1 Bar Luftdruck auf den Reifen plötzlich wieder dasteht. Toll. Er lächelt, hat inzwischen schreckliche Rostbeulen an der Kante der Motorhaube, eine Radkappe fehlt ihm, die Antenne auch und ich erkenne dass er genauso gealtert ist wie ich. Da Autos aus biologischen Gründen im Gegensatz zu mir (oder uns Menschen) keine Kinder bekommen können ist er immernoch allein. Hilfsbereit wie er ist hat er sich auf den weiten Weg aus Bayern gemacht um uns seine vier Sitzplätze zur Verfügung zu Stellen. Die Großeltern unseres Sohnes wohnen zu weit weg und können nicht auf ihn aufpassen wenn wir mal wegmüssen. Da dachte sich der Corsa: Hey, ich hab vier Reifen, gleich bin ich bei euch und biete eurem Sohn meine Rückbank an wann immer ihr was erledigen wollt.
Unser Z3 ist eben mehr der Abends-zusammen-ausgehen Typ. Er mag es nicht wenn man plötzlich andere Leute anschleppt zum Ausgehen. Geschweige denn wenn er gezwungen ist fremde Leute kennenzulernen. Deswegen hat er sich auch ganz von allein in der Tiefgarage gegen die Betonsäule geworfen und sich eine böse Schürfwunde zugezogen. Er wollte protestieren. So geht es nicht, sagt er. Wir waren immer zu dritt (Melegim, ich und der Zetti) und jetzt wollt ihr ausgerechnet ein Kleinkind mitschleppen?? Nur über meine – sprichwörtliche – Leiche. Gut. Der Z3 kommt zur Strafe an einen weiter entfernten Punkt der Tiefgarage. Da kann er drüber nachdenken. Und plötzlich steht der Corsa mit seinen praktischen vier Sitzplätzen im Fokus, bekommt den alten Stellplatz des Z3. That’s life.
Die Geschichte des Corsa-Frosches geht so: Meine älteste Schwester hat ihn gekauft als sie das erste mal gearbeitet hat. Ich war da noch in der Schule. Anno 1999 müsste das gewesen sein. Sie ist einige Jahre damit gefahren, ich bin in der Zeit zum studieren weggezogen – das war 2003 – und durfte mich im doofen Esslingen mit den vernachlässigbar selten fahrenden öffentlichen Verkehrsmitteln abplagen. Irgendwann zog meine Schwester nach Istanbul und übergab mir den Corsa. Bääh! Doch die Vorteile überwogen: Von der weit entfernten Wohnung in die FH fahren, nach Stuttgart zum ausgehen fahren… Einkaufen sah vorher so aus: Jeden zweiten Tag nach der FH einen Rucksack und zwei große Tüten in den Bus schleppen, 40 Minuten mit dem Bus fahren, 15 Minuten mit den ganzen Sachen von der Haltestelle zur Wohnung laufen. Das war schrecklich! Eine Zumutung! Corsa stand mir ab da zur Seite. Hier hat er auch Freundschaft mit einem Ford Ka Lufthansa-Edition geschlossen…

Dann gings von Esslingen nach Köln, im Jahre 2006, und der Corsa durfte mich immernoch begleiten. Auch hier hat er mir den Alltag stets erleichtert. Auch wenn die 700km-Fahrten über die A3 in die Heimat jedesmal eine Belastungsprobe waren. Durchzug kennt der Kleine nämlich nicht. Bei dem Wort kuckt er immer so ins Leere und fängt an zu träumen. Da hängt man schnell mal auf der linken Spur am Berg und hat keine Chance den zu überholen, der gerade noch 30km/h langsamer gefahren ist als man selbst. Ungefähr 2007 kam meine Schwester wieder zurück aus Istanbul, wurde Mutter und brauchte einen Zweitwagen. Der Corsa hat sich verabschiedet und auf den Rückweg gemacht. Trotzdem wurde er kurz darauf durch eine A-Klasse ersetzt (Sicherheit wird im Corsa halt klein geschrieben). Hat ihn fast auf den Schrottplatz gebracht wenn nicht ich – und meine andere ältere Schwester – “Stoppen Sie den Unfug!” geschriehen hätten.
Das führte dazu dass der Corsa bei meiner anderen Schwester in München ein Zuhause fand. Wieder den Lastenesel gespielt hat. Und nun, da meine Schwester nach Vietnam zieht, braucht der Corsa wieder ein neues Zuhause und ich eine Rücksitzbank. Da zähl einer mal 1 und 1 zusammen!
Irgendwann wird er dem Mustang weichen müssen, bis dahin nehmen wir dankbar die zu-Dritt-einkaufen-können Möglichkeiten wahr die er uns bereitwillig bietet. Erstmal muss ich ihn wieder auf Vordermann bringen. Es handelt sich um einen Opel Corsa B Baujahr 1998. Luxus hat er auch: Ein Schiebedach!
Hier ein aktuelles Foto vom Corsa, zwischen seinen zwei Bodyguards für die vergangene Nacht:







