
Da stand er also ganz in weiß vor mir. Ihr wisst, der Ersteindruck ist der wichtigste. Besonders bei einem Auto das man nicht jeden Tag rumfahren sieht. Große schwarze Felgen mit silbernen Akzenten: Die weiß/schwarz Kombination gefällt mir. So wie der CR-Z dastand und wartete, konnte ich ihm durchaus etwas abgewinnen.
Design
Von vorne sieht er sehr aggressiv und sportlich aus, steht mit seiner kantigen Schnauze erwartungsvoll im Wind. Die Scheinwerfer haben einen Blaustich (ein sehr schönes Designmerkmal!), LED-Tagfahrlicht komplettiert die Optik. Insgesamt schön schlicht.
Die Seitenlinie kann ebenfalls begeistern. Denn die Proportionen stimmen. Kurze Überhänge, hinten wirklich ultrakurz, eine schön abfallende Dachführung die von einer Haifischflossen-Antenne und einem Dachspoiler (dieser hat ihm bei Alex den Spitznamen “Sharky” eingebracht) aufgepeppt wird. Das Fahrzeug kommt mir an der höchsten Stelle gerade mal bis zur Brust. Die Fensterlinie wird hinten nach oben gezogen, ähnlich der Kanzel eines Kampfjets. Vorne sitzen die Außenspiegel unterhalb der Motorhaube, dadurch setzt die ganze Fensterfläche vom Spiegel aus nicht bündig mit der Motorhaube an. Folge ist, dass die geduckte Haltung noch mehr betont wird. Wer jedoch hinter der großen Fensterfläche auch tatsächlich Durchsicht vermutet, liegt falsch. Die hinteren Fenster sind von innen nur auf einer kleinen Fläche vorhanden, der Rest ist eigentlich B- und C-Säule.




Das Heck ist die Ansicht, bei der man am ehesten schmunzelt. Der angedeutet Diffusor sieht toll aus, doch erinnert das Heck zu sehr an “klassische” Hybrid-Steilheck-Fahrzeuge. Es ist zu hoch, zu kastenförmig. Von hinten vermutet keiner ein sportliches Fahrzeug im CR-Z. Das Testfahrzeug könnte durchaus noch Distanzscheiben auf der Hinterachse vertragen damit die Reifen bündig mit den Radhäusern abschließen. Der schwarze Bereich zwischen den Heckleuchten ist Fensterfläche. Trotz dieses Fensters und des riesen Fensters in der Heckklappe sieht man nach hinten nur einen kleinen Bereich: Der Balken zwischen den beiden Fenstern, genau an der Knickkante, liegt beim Blick in den Rückspiegel immer über den Scheinwerfern des nachfolgenden Verkehrs.

Einsteigen, wohlfühlen.
Platz nehmen geht leicht, die Sitze sind sehr gut konturiert und lassen sich ganz klassisch manuell genau so einstellen wie man es möchte. Auch das Lenkrad lässt sich in Tiefe und Höhe einstellen. Alsbald starrt man dann auf das Science-Fiction Dashboard. Volldigital und vollbunt. Mir hatte dieser Designweg von Honda schon beim Civic gefallen und er gefällt mir immernoch. Ich mag eben alles was anders ist. Auch wenn auf den zweiten Blick viele Platzierung nicht so direkt sinnvoll/nachvollziehbar scheinen: Wo man den Lichtschalter vermutet ist die Verstellung der Aussenspiegel, Der Schalter für die PDC (hinten) befindet sich dort wo sonst die Nebelschlussleuchte bedient wird und die Schalter für die Sitzheizung liegen – statt dort zu sein wo alle anderen Schalter sind, nämlich auf der Mittelkonsole – als einzige oberhalb des Schaltknaufs am Mitteltunnel.
Gut, die Positionierung wirft eben ein paar Fragen auf, ist aber nur Gewöhnungssache. Hat man sich einmal gewöhnt, so ist die Bedienung der Funktionen jedoch genau so, wie man es sich wünscht. Ohne Umwege und Seltsamkeiten. Keine Beschriftungen, die Rätsel aufgeben, alles selbsterklärend. Vorbildlich! Funktionen wie der Tempomat und die Freisprecheinrichtung lassen sich auch über das Multifunktionslenkrad steuern.
Zündschlüssel drehen – Startknopf drücken.
Der 1.5 Liter 4-Zylinder-Motor mit 114PS erwacht mit einem heiseren, wenig betörenden “RRRrrmm” aus dem Schlaf. Überhaupt klingt der Motor zu keiner Zeit begeisternd. Er hält sich bei normaler Fahrt stark im Hintergrund, sollte man die Gänge mal ausdrehen erhält man nur ein Nähmaschinensurren. Nach Power klingt es nicht. Die fehlt auch in oberen Drehzahlbereichen gänzlich. Versteht mich nicht falsch: Durch die zusätzliche Elektromotorunterstützung (14PS) schiebt der CR-Z gut an. Doch passiert das im unteren Drehzahlbereich. Die Konsequenz daraus ist, dass man im Grunde fast die gesamte Fahrt im 6. Gang absolvieren kann und mit diesem auch mal eben noch beschleunigen kann ohne zurückzuschalten.
Im “Normal”-Fahrmodus empfiehlt eine kleine Anzeige auch passenderweise in etwa folgende Schaltzeitpunkte durch eingeblendete Pfeile nach oben oder unten: 20km/h – 2. Gang, 30km/h – 3. Gang, 40km/h – 4.Gang, 50km/h – 5. Gang, 60km/h – 6. Gang. Das ist spritsparend und anders als bei jedem anderen Auto kann man eben trotz 5. Gang bei 50km/h mal noch zwischenbeschleunigen. Doch viel darf man nicht erwarten. Dem CR-Z würden eindeutig ein paar PS mehr gut zu Gesichte stehen.
3 Fahrmodi für drei Erlebnisse.
Eco – Normal – Sport. So nennen sich die per Schalter links des Lenkrads wählbaren Fahrmodi. Bei Eco ist alles – wie der Name vermuten lässt – auf Spritsparen ausgelegt. Gasbefehle werden zögerlich umgesetzt, die Beschleunigung ist unmerklich, alles am Auto provoziert hier den Fahrer eine vorausschauende Fahrweise an den Tag zu legen. Dazu passt die grüne Färbung des Ringes um den digitalen Tachometer.

Bei Normal fährt sich der CR-Z im Stadtverkehr und auch abseits der Stadt so wie ein durchschnittliches Auto mit einer solchen Motorisierung eben fährt. Er tut was er tun soll. Das Display ist grün gefärbt, ändert sich jedoch über türkis zu blau wenn man mal etwas zu sehr Gas gibt.
Im “Sport”-Modus wandelt sich der CR-Z jedoch von Dr. Jakyll zu Mr. Hyde. Ähnlich den Charakteren aus der Novelle von Robert Louis Stevenson verwandelt sich der CR-Z vom Arzt, dem das Gemeinwohl, die Umwelt, am Herzen liegt zum aufbrausenden, launischen Mörder Hyde. Das Display färbt sich teuflisch tief Rot, alle Assistenzanzeigen (kleine Pflanzen die einen für umweltschonendes Fahren belohnen, Schaltvorschläge etc.) verschwinden, alles macht Platz für den großen Drehzahlmesser und den Tachometer. Der CR-Z macht schon beim Berühren der Taste einen leichten Satz nach vorne, fletscht die Zähne. Die Lenkung wird deutlich straffer und direkter. Sie lässt einen teilhaben am Fahrbahnbelag. Der CR-Z wird endlich zu dem versprochenen sportlichen Coupé. Gemeinsam mit der phänomenalen Schaltung, den Sitzen und dem tollen Lenkrad wird er zu einer Fahrmaschine mit der beachtliche Kurvengeschwindigkeiten möglich sind. Endlich versteht man warum er das straffe Fahrwerk hat, das so gar nicht zu den anderen beiden Modi passt. Es ist zu trocken. Doch jetzt, im “Hyde-Modus”, weiß man, dass genau dieses Fahrwerk dafür verantwortlich ist, dass man trotz Schlaglöchern und Unebenheiten in der Kurve diese mit hoher Geschwindigkeit fahren kann. Der CR-Z klebt souverän auf dem Kurvenasphalt wie sonst höchstens in einer Steilkurve. Das ist das Auto das ich sehen wollte.
Die Kurve ist allerdings auch der Ort, an dem man mit dem CR-Z bleiben sollte. Sprich: Landstraße und spritzige Stadtfahrten. Da macht er Spaß. Auf der Autobahn ärgert es einen schnell wenn dem CR-Z viel zu früh die Puste ausgeht.
Ein paar Worte zur manuellen 6-Gang-Schaltung
Genau genommen drei Worte: Ich – bin – sprachlos.
Wenn ich mehr dazu sagen muss: Das, was Honda hier dem gewillten zukünftigen Honda-Fahrer in die rechte Hand legt, ist in meinen Augen das Schaltungsideal. Es erinnert mich an die sportlichsten Schaltkulissen der 80er/90er. Kurz, knackig, tolle Haptik. Aufgeschlüsselt in einzelne Eindrücke liest sich das so: Auf einer dünnen, kühlen Metallstange sitzt ein kugelförmiger Schaltknauf und schmeichelt mit einer Kopfplatte aus eiskaltem Metall der Hand. Der sehr kurze Weg von Gang zu Gang findet sich ganz von allein. Jedes Schalten wird von einem schön mechanischen “Plonnng” begleitet. Die Kupplung spielt perfekt mit der Schaltung zusammen. Fuss drauf und wieder runter ist eine einzige schnelle Bewegung, zeitgleich fliegt der nächste Gang rein. Dabei macht der CR-Z keine Lastwechselreaktion, nichts lässt Mitfahrer überhaupt erahnen dass gerade ein Gang gewechselt wurde. Ich habe es zu einem Hobby gemacht bei CR-Z selbst in der Stadt alle Gänge nacheinander einzulegen bis hin zum letzten und freue mich über jede rote Ampel.


Das Pflichtprogramm
Am Rande gibt es natürlich noch ein paar kleine Details zu erwähnen. Da wären die hinteren Sitze: Sie sind nicht mehr als ein Ablageort, als vollwertige Sitze taugen sie nicht. Weder für Erwachsene, Kinder oder Kleinkinder. Mein Kindersitz lässt sich zwar durch die große Türöffnung leicht ins Auto schaffen, hinten findet er aber nicht genug Platz. Der extra bezahlte Seitenaufprallschutz am Kindersitz muss abgenommen werden und die Rückenlehne berührt selbst in der niedrigsten Einstellung das Dach. Der Beifahrersitz lässt sich dann auch nicht mehr weit genug nach hinten fahren um vorne überhaupt sitzen zu können. Somit bleibt nur der Beifahrersitz für einen Kindersitz – trotz Isofix und Toptether hinten. Zumindest lässt sich der Beifahrerairbag mit dem Autoschlüssel deaktivieren. Das alles macht in der Summe den CR-Z eher zum reinen Zweisitzer als zum 2+2-Sitzer.

Die Start-Stop-Automatik hilft ebenfalls, neben dem Elektromotor, Sprit zu sparen. Der Motor geht aus sobald man die Kupplung und die Bremse tritt – übrigens auch wenn man mit unter 30km/h rollt – und geht wieder an wenn man den Fuß von der Bremse nimmt oder einen Gang einlegt.
Der Kofferraum ist deutlich größer als man annehmen würde. Allerdings in der Tiefe. In der Höhe ist er aufgrund der abfallenden Dachlinie sehr beschränkt. Während Richtung Wageninneres ein Sixpack Wasser aufrecht stehen kann wird es direkt an der Ladekante schon knapp.

Einparken will trotz PDC hinten geübt sein. Erstens gibt es vorne keines und man sieht außer Scheibe nach vorne gar nichts von der Karosserie. Zweitens ist aufgrund der breiten C-Säule der Blick nach hinten rechts und links versperrt. Außerdem erinnern wir uns, dass die hinteren Fenster nur kleinste dreieckige Fenster sind und man vom Fahrerplatz aus hier gar nicht raussehen kann. Der Einlenkpunkt beim rückwärts-seitwärts Einparken muss nach Gefühl gewählt werden. Auch beim Schulterblick sieht man wenig. Doch entschädigen sehr große Außenspiegel dafür.
Wer will ihn?
Mich hat der CR-Z mehr als überrascht. Alleine die Schaltung wäre für mich schon ein Grund dieses Auto einem anderen vorzuziehen. Dazu der Verbrauch von 6,5 Litern auf 100km, das bei extremster Fahrweise wohlgemerkt. Die Soundanlage (USB-Anschluss und Aux-Anschluss vorhanden) spielt aufgrund eines Subwoofers im Kofferraum ordentlich auf, wie von japanischen Autos gewohnt. Doch eher Prodigy-geeignet als Jazz-Affin.

Das bei meiner Sicht auf die Welt unschlagbare Argument ist jedoch Folgendes: Wann sieht man einen CR-Z mal rumfahren? Er ist fast schon ein Exot. Hat man ihn und stellt ihn auf einem großen Parkplatz ab kann man sich sicher sein, dass man keinen zweiten CR-Z auf diesem Parkplatz finden wird. Und das macht ihn zu einem leicht unvernünftigen, sympathischen Charakterfahrzeug. Ich würde ihn sehr gerne länger behalten. Vielleicht aber für das letzte Quäntchen Power in einer Type-R Version? Liebe Honda-Ingenieure? Spendiert ihm bitte 40 Mehr-PS und der CR-Z würde sich vom sportlichen Coupé zum Sportcoupé wandeln.
In den nächsten Tagen gibt es wie gewohnt noch eine detaillierte Bildergalerie zum Honda CR-Z.
Die Galerie ist nun online und findet sich hier: Honda CR-Z Bildergalerie
Und wer eine andere Meinung will, der wird demnächst bei rad-ab fündig. Auch dort wird der CR-Z bald unter die Lupe genommen.
