Das Größte, was Nissan unter dem Label “SUV” anbietet, ist auf Deutschlands Straßen ein seltener Anblick. Und das obwohl er seit 2008 so gebaut wird (mit einer MoPf 2010). Von Außen dürfte der eine oder andere ihn mit dem Qashqai, dem kleineren Bruder verwechseln – besonders aufgrund des hinteren Drittels der Karosserie. Von vorne jedoch hat er von mir den Kosenamen “Nasenbär” erhalten: Denn seine Schnauze ist sowohl Konzernintern als auch -extern unverwechselbar.
So ist das heutzutage: Ein Mercedes hat rot zu sein. Zumindest ist der A250 bereits der dritte Sternenkreuzer in diesem auffälligen Rot – nach dem CLS 63 AMG und dem SLK 250 CDI, dem ich zwei Wochen Testbetrieb gegönnt habe. Hier kommt nun der Fahrbericht zum A250, in ein paar Wochen gibt es dann zum A250 Sport, den ich ebenfalls testen werde, den “storygetriebenen” Bericht.
Es gibt da so eine Kategorie für Fahrzeuge, die ich gerne “Auto um des Autos Willen” nenne. Das steht bei mir exemplarisch für folgenden Fall: Man braucht ein Auto, weil man die damit verbundene Mobilität benötigt. Man braucht den Raum, den ein Auto bietet. Man braucht ein Auto in einem bezahlbaren Rahmen. Man braucht ein Auto mit überschaubaren Folgekosten. Diese Konstellation an Anforderungen trifft auf mehr Autokäufer zu, als man meint. Nicht immer hat man das nötige Kleingeld, um sich einfach das zu kaufen, was man am schönsten findet. Und nicht immer spielt das Auto überhaupt eine so große Rolle im Alltag. Es muss einfach da sein und mit jeder Situation umgehen können. In genau diese Kategorie passten auch schon der von mir getestete Mitsubishi Lancer (ab 25.000 Euro) oder etwa der Honda Accord (aktuell ab 18.000 Euro – wenn auch nicht als TypeS). Während der Lancer in der unteren Mittelklasse und der Accord in der Mittelklasse angeordnet sind, ist der Škoda Rapid in der Kompaktklasse zuhause. Trotzdem schafft er es in Sachen Platzverhältnisse die Lücke zu schliessen und ist nochmal deutlich günstiger.
Dieser Effekt ist immer wieder schön. Und es ist schön zu sehen, dass man immer wieder dieses Gefühl haben kann. Das Gefühl von etwas Vertrautem. Das Gefühl, am richtigen Platz zu sein. Bei Kleidung gibt es das auch. Mancher Pulli sieht einfach komisch an einem aus oder fühlt sich falsch an. Ohne dass man es unbedingt erklären könnte. Doch dann findet man ihn. Den einen Pulli, der scheinbar für einen selbst gemacht wurde. Obwohl es keine Maßfertigung ist und obwohl viele tausende andere Menschen den gleichen (hoffentlich nicht denselben) Pulli ebenfalls tragen werden. Der Suzuki Swift Sport ist einer dieser Pullis. Verzeihung – eines dieser Autos.
Wieso es ihm nie schnell genug geht? Ganz einfach: Wenn es ein Auto auf dieser Welt “gefühlt” eilig hat, dann ist es der kleine, kleinste Audi mit seinem 185PS-Herz. Er will nicht langsam, er will nicht gemütlich. Er will *vrmmvrmm* wie die MINIs in “The Italian Job” um die Ecken carven und sich in jede kleine Lücke zwischen zwei Fahrzeugen kuscheln. Mit Stummelhintern und kurzem Radstand, mit einem Turbo und einem Kompressor und mit jeder Menge Spritzigkeit.
Am Wochenende gab es den perfekten Alltagstest für den Mitsubishi ASX. Alles war dabei: Ladekapazität beweisen, Langstrecke fahren, Spritsparen, durch Matsch und Pfützen, bei Nacht und Wind.
Anders als beim Mitsubishi Lancer möchte ich euch diesmal nicht einen eher klassischen Testbericht präsentieren, sondern – was mir doch deutlich besser liegt – wieder eine kleine Story zum Fahrzeug.
Die Rahmenbedingungen
Geplant war vergangenen Samstag Abends ein Auftritt meiner Band “Second Horizon” bei einem kleinen privaten Open-Air Festival mit knapp 200 Besuchern, bekannt als “Rock am Stock”. Das findet aber gute 80km entfernt von unserer Basisstation Köln statt. Mitten auf dem Land. Weit weg vom Stadtverkehr. Unser Equipment musste dort natürlich auch hin. Hey, für sowas ist der ASX doch wie geschaffen!
Einladen
Die Karosserievariante des ASX legt schon direkt nahe, dass einiges reinpasst. Die geteilte Rückbank lässt sich bei Wunsch umlegen und verwandelt den ASX so in einen Beladungsprofi. Ohne auf die Rücksitze zu verzichten, hat man aufgrund der hohen Karosserieform immernoch recht ordentlich Platz. Allerdings täuscht man sich schnell, wenn man die gesamte Stellfläche bis unter das Dach voll stellt. Denn die Heckklappe hat die eine oder andere Wölbung und geht dann nicht mehr zu. Beim Beladen muss man tatsächlich auf die Gummidichtungen achten, an denen man den Verlauf der Heckklappe ablesen kann. Trotzdem passt mal eben eine 2×12″ Gitarrenbox, zwei Top-Teile und noch einiges mehr ganz problemlos rein. Mitfahren können dann immernoch 5 Personen. Hat man tatsächlich bis unter das Dach geladen, darf sich der Fahrer über eine Rückfahrkamera freuen, die den Blick nach hinten quasi überflüssig macht. Respekt!
Fahren und Sparen
Zu erst geht es auf die Autobahn. 80km so ziemlich geradeaus. Der Diesel beschleunigt ohne den Wunsch nach mehr Leistung bei mir zu wecken auf die Reisegeschwindigkeit. Tempomat an, Vorderradantrieb statt Allradantrieb ausgewählt, und der Durchschnittsverbrauchsanzeige dabei zusehen, wie sie kontinuierlich nach unten geht. 5,2 Liter Diesel auf 100km war mein persönlicher Rekord. (Björn Habegger hat sogar 3,8 Liter geschafft) Und das ohne bewusst träge oder sparsam zu fahren. Für ein Fahrzeug dieses Formats wirklich ein ordentlicher Wert! Der Verbrauch hat mich beim ASX am meisten überrascht. Man muss dabei weder auf Komfort oder Leistung verzichten. Keiner kann mir erzählen, dass der ASX mehr Leistung (bzw. genauer gesagt Drehmoment) bräuchte. Einzig das deutliche Turboloch, wie auch schon beim Lancer SL mit gleicher Motorisierung, stört mich. Aber durch den zuschaltbaren Allradantrieb merkt man davon nichts mehr an der Lenkung.
Die angenehmen Seiten der Reise
Bei eingeschaltetem Tempomat muss man ja nicht mehr viel anderes machen, als ab und an nach vorne zu blicken. Ansonsten kann man sich auf die anderen Features konzentrieren: Ledersitze mit Kontrastnähten und Sitzheizung, ein durchdachtes, sofort verständliches Bedienkonzept, gute Rundumsicht und noch zwei Dinge: Erstens eine Anlage, die ordentlich aufspielt (Rockford Fosgate) und wirklich Metal-Kompatibel ist. Mit getrennt einstellbarem Kick für den Bass-Woofer im Kofferraum. Das alles einstellbar über einen großen Touchscreen, der einen mit gut verständlichen Buttonbeschriftungen durch die Menüstruktur jagt. (Zum Fahrzeug passender Song rechts)
Übrigens ist das Navi auch spitze: Die Kartendarstellung ermöglicht es tatsächlich, auch ohne eine Route anzugeben, von Punkt A nach B zu finden. Die Übersichtlichkeit und Farbgebung ist so gut, dass man sich allein durch ein wenig rein- und rauszoomen eine gewünschte Straße merken und diese dann abfahren kann. Wie früher mit der Falk-Karte auf dem Lenkrad! Wann braucht man sowas? Stau auf der Autobahn, nix geht mehr. Also anders fahren. Und ich will weder, dass Autobahn bei der Routenplanung vermieden wird, noch dass eine bestimmte größere Straße bevorzugt wird. Also Köln Stadmitte durch rauszoomen anpeilen und ein paar wichtige Straßenkreuzungen auf dem Weg dort hin merken. Danach nach Lust und Laune ans Ziel fahren. Ohne dass das Navi vorgibt, was die “schnellste” oder “kürzeste” Route sein könnte.
Aber wir haben zweitens vergessen. Das wäre dieses riesige Panoramaglasdach! Gewaltiger “Wow” Effekt. Ich beschreibe euch mal meinen “Wow”-Effekt bei der ersten Begegnung: Ich bin in den ASX eingestiegen. Tiefgarage. Da erblicke ich die orangene “Mood”-Beleuchtung am Dachhimmel. Sehr schön! Zwei Lichtstreifen, die bis nach hinten durchgehen. In 3 Stufen einstellbar. Danach wundere ich mich über die Segmentierung des Dachhimmels. “Da muss mehr sein!”, denke ich mir. Schalter gesucht und gedrückt. Es surrt ganz leise und der Dachhimmel fährt nach hinten. Langsam, pompös. Fehlen nur die Pauken und Trompeten, die diesen Vorgang begleiten. Dahinter erblicke ich Glas. Und mehr Glas! Und noch mehr Glas! Es hört gar nicht mehr auf… Natürlich ist dies kein essentieller Bestandteil des Autos. Doch es macht den Innenraum extrem hell und dadurch zu einer Oase des Wohlfühlens. An sowas habe ich Freude. Genau aus dem Grund habe ich auch jedesmal den Dachhimmel wieder verschlossen, bevor ich jemandem anderen das Auto gezeigt habe: “und jeeeetzt: Kuck mal nach oben!”
Kurzum: Der Weg zum Gig war sowohl entspannt, hell, mit passender Musikuntermalung, als auch kostengünstig. Was will man mehr?
Jetzt geht’s in die Wildniss
Am Ort des Gigs angekommen erwartet uns eine von tiefen Gruben und mit Wasser gefüllten Löchern geplagte Erdstraße. Direkt an der Halle. Ohne Wendemöglichkeiten. Na, zum Glück haben wir ja 4-Rad-Antrieb und genug Bodenfreiheit! ..denke ich mir. Ich kann nicht anders: Vielleicht übertreibe ich an dieser Stelle ein wenig. Ja, auch ein Golf kommt problemlos über den Erdweg und die Löcher sind bestimmt nicht tiefer als ein oder zwei Zentimeter. Es sind auch nur knapp 100 Meter die zurückzulegen sind. Aber wenn man ein geländefähiges Fahrzeug fährt (so würde ich SUVs und Crossovers nennen), dann sieht man gerne überall Hindernisse, die sonst keiner überwinden kann. Jedenfalls: Kurz überlege ich mit einem Besenstiehl auszusteigen und die Tiefe der Wasserlöcher zu testen, wie man das im Gelände so macht. Ich blicke auf die kurvige, lange, gefährliche Geländestrecke, die vor mir liegt und fasse einen Entschluss: Ich wage es! Es ist keine Zeit für Sicherheiten. Hinter mir wartet ein Opel Corsa. Der will auch rein. Allradantrieb einschalten und los geht’s. Erster Gang. Wir passieren das erste tiefe Wasserloch. Man merkt kaum etwas. 11 Sekunden später sind wir am Ziel. Was für eine Strecke! Kurzum: Die 1% “geländeartige” Strecke, die ein durchschnittlicher SUV über seine Gesamtlaufleistung erleben wird, stellen auch für den ASX absolut kein Problem dar. Im Winter ist der Allradantrieb mit Sicherheit auch ein großes Plus. Außerdem sagte Melegim zu mir, dass sie lieber immer mit Allrad fährt, weil sie meint: “Vorderradantrieb geht gar nicht”. Meine Frau weiss eben worauf es ankommt.
Schlussworte
Nach dem Ausladen musste der ASX rückwärts den Weg entlang manövriert werden. So eine Kamera ist dann eben schon was Tolles. Ohne diese hätte ich wohl auf einen Einweiser nicht verzichtet. Links und rechts parkende Autos, ein schmales Tor, das zu passieren ist. Die Kamera zeigt selbst bei Nacht noch ein gutes Bild und macht den Umgang mit dem ASX zum Kinderspiel. Auch wenn er eigentlich nicht sonderlich groß ist: Von Innen fühlt er sich sehr viel größer an. Warum die Aussenspiegel nicht asphärisch sind, um auch den toten Winkel sehen zu können, kann ich leider nicht beantworten.
Für knapp 32.000 Euro (im Internet auch ab gut 26.000 Euro) erhält man einen voll ausgestatteten ASX mit sparsamem Dieselmotor und tollem Platzangebot. Wenn Crossover bzw. SUVs euer Ding sind und ihr nach einem zuverlässigen, bezahlbaren Exemplar auf der Suche seid, seht ihn euch mal genauer an!
Der Lancer dürfte Autokennern vor allem aus einem Grund ein Begriff sein: Die Rallyevariante Evo kämpfte Jahrelang mit dem Subaru Impreza WRX um die Rallye-Krone. Dasselbe war auch auf der Straße möglich, weil beide Hersteller diese kompromisslosen Fahrzeuge als straßenzugelassene Varianten der Serienfahrzeuge anboten. Doch um den Evo geht es hier nicht. Erst im November…… Hier geht es um das kostengünstige Basisfahrzeug, das vor allem viel Raum bietet. Genauer gesagt um die Lancer Sportlimousine (Stufenheck also) in der Sonderedition “35 Jahre”.
Ich kann ja nicht immer nur für den durchschnittlichen Leser sowieso unerschwingliche Fahrzeuge testen. Klar liest man gerne (und sieht sich gerne Bilder an) von einem CLS oder anderen Premiumfahrzeugen. Aber es soll da draußen noch Leute geben, die ein Auto suchen, dass sie sich leisten können (nicht etwa Leasing mit anschließender Rückgabe) und das im Alltag alle auferlegten Arbeiten meistert. Also gehe ich mal einen neuen Weg und werde den Lancer so beschreiben und auf die Dinge eingehen, die für solche Kaufinteressenten entscheidend sind.
Design
Loben muss man den Lancer für die sportliche, kantige Schnauze. Sie sorgt dafür, dass der ansonsten eher klassische Lancer sich im Straßenbild von vergleichbaren Fahrzeugen abhebt und seine Selbstständigkeit bewahrt. Entscheidend ist bei einem Fahrzeug, dass einen hohen Absatz erzielen soll nämlich, dass es den Geschmack möglichst vieler trifft. Man denke an den VW Golf. Den Lancer wird immerhin im Rückspiegel jeder als Lancer erkennen und das ist gut so.
Innenraum
Die Ausstattung der Sonderedition umfasst schwarze Stoffsitze, die für meinen Geschmack etwas zu weich sind. Die Übersichtlichkeit und die Bedienung ist perfekt, sie gibt keine Rätsel auf. Komfortfeatures wie die Klimaanlage, Sitzheizung, USB-Anschluss für Musik werten den Innenraum zusätzlich auf. Ein abschaltbarer Airbag auf der Beifahrerseite und Isofix-Befestigung für Kindersitze sind natürlich auch an Bord. Einzig, dass der Lancer bei jeder Betätigung einer Funktion laut piept, ist etwas nervig. Besonders wenn hinten ein kleines Kind schläft. Ansonsten sitzen problemlos vier Erwachsene auch auf langer Strecke bequem im Lancer. Das viele Gepäck, das vier Erwachsene so dabeihaben, passt auch in den großen Kofferraum. Er ist schön hoch und wird kaum durch Karosserieteile wie beispielsweise bei anderen Fahrzeugen die Radkästen in seinen Innenmaßen reduziert. Bei Bedarf lassen sich natürlich die Rücksitze umlegen.
Besonderes Komfortfeature ist auf jeden Fall die Rückfahrkamera mit einem in den Rückspiegel integrierten, knackig scharfen Display. So stellt auch das Rangieren kein Problem dar. Der Lancer fühlt sich, wenn man ihn fährt, aber sowieso kompakter an als er tatsächlich ist und vermittelt immer das Gefühl, dass man sich vor keiner Verkehrsherausforderung scheuen muss.
Motor/Fahrwerk/Lenkung
Auch wenn der Lancer für den durchschnittlichen Fahrer ausgelegt ist, lasse ich es mir nicht nehmen, das Gaspedal auch mal kräftiger zu streicheln. Zu allererst ist man überrascht, wieviel Power der kleine Diesel im Lancer doch hat. Die Probleme, die man mit schwachen Kleinwagen auf der Autobahn hat – dass nämlich Überholmanöver zu einem Geduldsspiel werden – braucht man nicht zu fürchten: Selbst jenseits der 100 km/h besitzt der 1.8 Liter Turbo-Diesel eine hohe Elastizität. Mehr Leistung braucht man auf deutschen Straßen nicht. Einziger Wermutstropfen: Der Turbo tritt ab ca 1800 Umdrehungen gnadenlos und schlagartig in Kraft. Dadurch hat man während dem Beschleunigen beim Überschreiten der 1800 Touren immer diesen einen Moment, in dem der Lancer plötzlich an den Vorderrädern scharrt und versucht, die Kraft des Dieselmotors zu bändigen. An der Lenkung ist das stark zu spüren. Legt man nicht gerade einen Kavalierstart hin, ist dieses Problem aber belanglos.
Was bleibt hängen?
Zu allererst muss man sich vergegenwärtigen, dass man den Lancer so wie er hier gezeigt wird mit ein wenig Handeln mit Sicherheit für gut 17 bis 18000 Euro beim Händler bekommt. Als Neufahrzeug. Wenn man sich dann überlegt, dass man dafür eine vollwertige Limousine ersteht – ein Auto also, mit dem man auch lange Strecken komfortabel zurücklegen kann – und keinen Kleinwagen, so bietet Mitsubishi mit der Lancer Sportlimousine durchaus ein attraktives Gesamtpackage. Denn dabei muss man nicht einmal auf aktuelle elektronische Helferlein verzichten. Ich bin mit ihm alleine an einem Wochenende 1400km gefahren. Ohne am Ende vor Anstrengung umzukippen oder Kopfschmerzen zu haben. Ohne auf der Autobahn ständig in den Rückspiegel blicken zu müssen. Und mit einem sicheren Gefühl. Was will man von einem Auto mehr?
Neulich habe ich mich abends ins Bett gelegt und ein unglaubliches Gefühl von Glück verspürt. Kennt ihr das? Ich habe angefangen zu lächeln und habe es so sehr genossen einfach im Bett zu liegen, nach einem anstrengenden Tag. Beine ausstrecken, Arme ausbreiten. Da dachte ich mir: Wie wenig doch dazu nötig ist, glücklich zu sein. Trotzdem ist es manchmal so schwer einen solchen Moment zu erleben. Und da kam mir der Gedanke: Dieser SLK, der da vor meiner Tür steht. Der verkörpert genau dieses Gefühl.
Um das zu beweisen, suche ich mir einen Mitstreiter, an dem ich das austesten werde. Er fährt, ich beobachte seine Mundwinkel. Wenn sie sich nach oben bewegen, so ist meine These bestätigt.
“Hey, hast du Lust mit dem SLK ein wenig rumzukurven? Du fährst.” “Na klar, warum nicht? Lass mich nur kurz meine coole Sonnenbrille holen.”
Von mir selbst weiß ich, dass ich mit dem SLK (R172, ab 2011) viel Spaß habe. Endlich eine deutlich charakterstärkere Version des Roadsters aus Stuttgart. Kantig und sportlich. Ich fahre selbst Z3 und wollte einfach mal wissen, wie es sich mit Dieselmotor unter der langen, gestreckten Motorhaube, fährt. Ein Experiment sozusagen. Hat dieses Auto überhaupt eine Daseinsberechtigung?
Sieht man auf den Verbrauch und die dadurch entstehenden Kosten, besteht kein Zweifel. Genauso, wenn man sich die gewaltigen 500Nm Drehmoment des 4-Zylinder Diesels auf der Zunge zergehen lässt. Doch fährt man in der Stadt, ist es gut, dass die Start-Stop-Automatik an der Ampel den Motor abschaltet. Diesel klingt immernoch nach Diesel. Bei niedrigen Geschwindigkeiten ist auch die verbaute Harman/Kardon-Anlage ganz praktisch, um den Diesel zu übertünchen. Anders, wenn man auf der Landstraße Gas gibt. Ich weiss nicht, wie die Ingenieure das hinbekommen haben. Doch gibt man ordentlich Gas und schaltet spät, hört sich der Motor kernig an. Wirklich nicht so, wie man es von einem Diesel erwartet. Fazit hier also: Immer draufhalten, schnell fahren! Wegen dem geringen Verbrauch kann man sich genau das auch locker leisten. 6,8 Liter Diesel habe ich über mehr als 1500km im Schnitt verbraucht. Bei forscher Fahrweise. Mir persönlich wäre, gerade bei einem Roadster, ein Motor mit viel Drehzahl lieber. Wer jedoch einen sportlichen Zweisitzer will, um damit täglich offen zur Arbeit zu fahren, könnte hier durchaus goldrichtig liegen.
Wir fahren quer durch Köln. Ohne Ziel, ohne Navi. Die Sonne scheint, es hat locker 26 Grad. Samstagsverkehr überall. Wenn es nicht weitergeht, biegen wir ab. Nur nicht im Stau landen!
“Ich muss sagen, ich bin echt begeistert. Der sitzt wie ein Handschuh. Was Materialien und Haptik angeht kann Mercedes echt niemand was vormachen.”
An jeder Ampel ist der SLK den anderen einen Schritt voraus. Etwas zuviel Gas und die Reifen quietschen. Nicht aus dem Stand, sondern ein paar Meter nach dem Anfahren. Es macht Spaß dieses “mit dem Kopf nach hinten nicken” beim Beschleunigen. Die Gangwechsel erfolgen schnell. So schnell, dass keine Kraftunterbrechung spürbar ist. Am sprichwörtlichen Gummiband.
Diese Kraft in einem wirklich kompakten Sportler. Ich liebe diese kleinen, offenen Flitzer. Passen viel besser zu mir, als die ganzen großen Fahrzeuge. Ein Wärter, der auf der Arbeit die einfahrenden Autos kontrollieren muss, meinte neulich zu mir: “Den erkenne ich immer wieder! Das schönste Auto in ganz Bad Godersberg! Gefällt mir richtig gut.” “Finden Sie? Warum holen sie sich dann nicht einfach so einen?” “Ach, wissen sie, dafür bin ich zu alt…” “Ach kommen sie… eigentlich ist man nie zu alt, um das zu tun, worauf man Lust hat.” “Da haben sie Recht.” Er lächelte mich nur müde an und sah mir hinterher. Ich weiss, erstens Bad Godesberg ist nur klein, und ich weiß zweitens, er wird sich möglicherweise den SLK nicht leisten können. Doch man weiß ja nie was der nächste Tag so bringt.
Kölns Straßen werden immer voller. Wann sollen die Leute auch sonst shoppen gehen. Dann sind auch noch überall Baustellen. Also am besten ein wenig raus aus der Stadt.
Ein wenig Autobahn müssen wir fahren, um rauszukommen. Jenseits der 140km/h ist die Beschleunigung natürlich nicht mehr so beeindruckend wie unten raus. Bei offener Fahrt formt sich ab 180km/h dann ein Orkan, der gehörig über das Auto fegt. Da empfiehlt es sich das Dach zu schließen, wenn man es mal eilig hat.
Bei geschlossenem Dach ist der Innenraum ähnlich ruhig wie in einem Coupé. Was soll man anderes von einem Stahlklappdach erwarten? Ein tolles Gimmick ist im SLK noch verbaut: Per Tastendruck lässt sich die im Dach eingebaute Scheibe von halbtransparent auf transparent schalten (Magic Sky Control nennt sich das). Der Unterschied, was die Helligkeit im Fahrzeuginneren angeht, ist gewaltig. Ein anderes Feature, das sich auch als Gimmick bezeichnen lässt, ist die unter der Kopfstütze angebrachte Lüftung, genannt Air-Scarf. In drei Stufen einstellbar beugt sie dem kalten Wind am Nacken vor. So lässt sich auch bei niedrigeren Temperaturen offen fahren. Im Zusammenspiel mit der Sitzheizung ist der SLK also voll wintertauglich – offen wohlgemerkt!
Runter von der Autobahn, Dach wieder auf – was aufgrund der Stahlkonstruktion nur im Stand funktioniert – und auf die Landstraße.
Der SLK liegt wie das sprichwörtliche Brett auf der Straße. Das Lenkrad vermittelt auf sehr analoge und direkte Art zwischen der Fahrbahn und dem Fahrer. Die Schaltung schaltet im Sportmodus schön früh einen Gang zurück. Auch hier auf der Landstraße ist man schneller als alle anderen. Lange, extrem lange Kurven (wie oft bei Autobahnauffahrten) sind das Lieblingsspielzeug des SLK. Er demonstriert hier, dass er niemals loslässt, selbst bei sich zuziehenden Kurven noch genug Spielraum hat, um souverän und spielerisch seine Kreise zu ziehen, die Kurvenradien umzirkelt und durchaus noch eine Ecke schneller fahren könnte.
Ich hatte was das angeht sehr viel Spaß mit dem SLK, mein Probant auf dem Fahrersitz aber dem Anschein nach keinesfalls weniger.
Die Kurven kommen von ganz alleine, Fahrer und Fahrzeug stimmen sich aufeinander ein. Vom Beifahrersitz aus lässt sich immer schön beobachten wie beide verschmelzen und die Lenkbewegungen zu einer flüssigen Bewegung werden. Ich ahne schon, dass bald der Moment kommen wird. Der Moment an dem feststeht, ob der SLK für dieses plötzliche Glücksgefühl steht.
Es ist meine aufrichtige Meinung: Der SLK sieht endlich erwachsen und richtig toll aus. Der eine oder andere SLS-Fahrer wird sich geärgert haben, als er das erste Mal den Innenraum des SLK gesehen hat. Der eine oder andere SL-Fahrer dürfte sich ärgern, weil der kleine Bruder von vorne so sehr zum verwechseln ähnlich aussieht. Den SLK Fahrer wird beides dagegen eher freuen. Er profitiert in beiden Fällen vom tollen Design. Und hat dafür deutlich weniger gezahlt. Noch etwas: Das Sport-Paket AMG ist ein absolutes Muss. Darauf könnte ich nicht verzichten. Die Felgen sind “totally gorgeous”, die roten Gurte sind sexy, die Kontrastnähte genauso, die Schürzen lassen den SLK nochmal tiefer, breiter und sportlicher aussehen – ohne zur Karikatur seiner selbst zu werden. Im “Basisdesign” sieht der SLK sehr viel zahmer aus.
Wir fahren eine Allee lang, wunderschöne Bäume links und rechts, vor uns die Straße frei. Habe ich euch je gesagt, dass man Alleen immer offen fahren muss? Dieses Lichtspiel aus Sonne und Schatten, das Rauschen der Bäume über einem. Die kühle Luft. Ich blicke rüber zum Fahrer und da sehe ich es. Ein Lächeln umspielt seine Lippen. Er sitzt entspannt am Lenkrad, linker Ellenbogen auf der Tür und mit der linken Hand den Kopf stützend. Versunken in Gedanken oder den Moment genießend. Möglicherweise ist beides ja auch dasselbe. Er bemerkt, dass ich ihn beobachte. Sieht mich an. Wir blicken wieder nach vorne und fahren weiter. Bis die Luft kühler wird und die Zirkaden um uns herum immer spitzer schreien. Morgen muss ich den SLK wieder abgeben, zu schade.
Hier noch ein kleines Video von mir, welches das Öffnen und Schließen des Verdecks zeigt: